Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1899)
- Date
- 1899-06-01
- Page
- Seite 144 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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144 WeferaLe und Mitteilungen. Man berichtet: Im Verlage von Leonhard Simion in Serlin ist erschienen: Jüdisch-politische Zeitfragen von Bernhard Cohn. Der Verfasser steht auf streng nationalem Standpunkte und läßt sich daraus schon im Voraus bestimmen, wie er über den Wert des jüdischen Volkstums, über die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens, über Mischehen und über jüdische Schulen urteilt. Die Gegenüberstellung von Kaiser Friedrich Rotbart und Mordechai (S. 10 u. 11) hat mehr homiletischen als geschichtlichen Wert und verdient nicht ernst genommen zu werden, dagegen verdienen die Worte Friedrich des Großen in einem Briefe an 6' Alembert hervorgehoben zu werden: Erlauben Sie uns Ihnen zu sagen, daß unsere jetzigen Religionen der Religion Christi eben so wenig gleichen, wie der irokesischen. Jesus war ein Jude, wir verbrennen die Juden; Jesus lehrte Duldung, wir verfolgen; Jesus predigte eine gute Sittenlehre und wir üben sie nicht aus; Jesus hatte keine Dogmen aufgestellt und wir haben reichlich dafür gesorgt etc. Es geht darin der Verfasser auch zu weit, wenn er S. 20 schreibt: Nicht nur gleichberechtigt müssen wir sein, sondern bevorrechtigt. Seine Auslassung über den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der ihm nicht national genug ist, haben darum auch nur subjektiven Wert und werden denselben nicht hindern, auf der betretenen Bahn weiter fortzufahren. Das Capitel über Mischehen läuft in folgende 4 Thesen aus: 1.) Die Mischehe zwischen Juden und Nichtjuden arischer Abstammung ist im Großen und Ganzen zu verwerfen. 2.) Wo sie gar nicht oder schwer zu umgehen ist, muß auf jüdischer Seite darauf gesehen werden, daß der jüdische Besitzstand möglichst gewahrt werde und die in der Ehe geborenen Kinder dem Judentume erhalten bleiben, namentlich da wo der Gatte Jude ist. 3.) Mischehen zwischen Juden und solchen Nichtjuden, die dem Judentume entstammen, sind zu begünstigen, um eine Zurückführung der Entfremdeten zum Judentum, die bei gutem Willen nichts weniger als aussichtslos ist, zu bewirken. 4.) Sehr zu empfehlen sind Eheschließungen zwischen Juden verschiedener Staatsangehörigkeit und verschiedenen religiösen Standpunktes, um eine größere Gleichförmigkeit des jüdischen Volkskörpers zu erzielen. Nach dem Hervorgehobenen kann es nicht Wunder nehmen, daß der Verfasser für jüdische Schulen schwärmt. Inhalt: Gerechtigkeit gegen die Juden. — Talmudanklagen im Mittelalter. — Der Gnosticismus in vorchristlicher Zeit. — Die Zerstörung Jerusalems. — Monatsschau. — Theater, Musik und bildende Kunst. — Referate und Mitteilungen. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber vr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck und Inserat-Annahme: H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breideustein), sämtlich in Frankfurt am Main.