Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1899)
- Date
- 1899-06-01
- Page
- Seite 138 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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138 Rückfall in mittelalterliche Auffassungen Rechnung zn tragen, sondern erziehlich zu wirken. So müssen wir denn selbst der Welt sagen, daß wir in keinem Punkte der Religiosität, Sitte und des Pflichtgefühls hinter den Bekennern anderer Religionen znrückstehen. Durch das Zusammenfassen aller deutschen Juden und durch die Hebung ihres Selbstgefühls wirkt der Central-Verein auch gegen ven größten Feind des Judentums, gegen die Abtrünnigkeit, gegen die Renegaten, welche, um Ehren zu erringen, mit ihrer Überzeugung ihre Ehre opfern, gegen die Gedankenlosen, welche selbst den Abfall scheuen, aber die Harmonie ihrer eigenen Familie zerstören, indem sie ihre Kinder taufen lassen. Je mehr der Corpsgeist der Juden gestärkt wird, desto mehr wird manchem Wankelmütigen klar gemacht werden, daß der Abfall lächerlich und verächtlich macht. Man hat gesagt, daß wir zu laut seien, aber in der Zeit der Jnteressenkämpfe sei doch wahrlich dem Judentum mit der Leisetreterei nicht gedient- Wer sich grün macht, den fressen die Ziegen! Die Geschichte lehre, wie die verschiedensten politischen Parteien nur durch lautes Fordern Erfolge erzielten; schweigend dulden, hieße den Zug der Zeit vollständig verkennen. Der Central-Verein wirkte schon durch sein Bestehen; er wird noch Größeres erzielen, je mehr Anhänger sich zu ihm schaare». „Er wirbt nicht um Beiträge und ist weit davon entfernt, dadurch anderen Institutionen den Boden abzugraben. Uns geben Sie Ihre Seelen, Ihre Begeisterung; treten Sie uns bei und werden Sie unsere Mitkänipfer, dann werden wir unserm Ziele näher kommen, daß die jetzt nur ans dem Papier stehende Emanzipation der Juden endlich eine Wahrheit wird. Das walte Gott!" — In Wie» starb der Kaiserliche Rat Herr Ioel Deutsch, geboren 20. März 1813 zu Nikolsburg. Er war einer der verdienstvollsten Pädagogen auf bent Gebiete des Taubstummenunterrichts. Schon 1844 leitete er das von Kolisch in Nikolsbnrg gegründete jüdische Taubstummeninstitut, das später nach Wien verlegt wurde. Die Anstalt der er 40 Jahre Vorstand ist eine Musteranstalt geworden. — In der Gemeind Gnrog (Bacs-Bodroger Comitat) wählte die israelitische Kultnsgemeinde den römisch-katholischen Pfarrer Mathias Uagy zum Präsidenten des jüdischen Schulstuhles. Der Gewählte nahm die Wahl an und übt das Ehrenamt auch thatsächlich aus. — Das Budget der jüdischen Gemeinde Kudapest ist für das Jahr 1899 mit 500996 fl. präliminirt; hiervon entfallen auf Tempelzwecke 60000 fl., auf Unterrichtszwecke 96000 fl., für Spitalzwecke 112000 fl., für die Armenunterstützung 50000 fl., für andere wohlthätige Ausgaben 20000 fl. und für das Rabbinat 50000 fl. Bei den Einnahmen figuriren die direkten Kultusbeiträge mit 168000 fl. Die Zinsen der in der Verwaltung der Kultusgemeinde stehenden Stiftungen stellen sich auf 45000 fl. — In Lemberg starb der Rabbinatsassessor Uri Wolf Salat. Salat war einer der bedeutendsten und scharfsinnigsten Talmudisten der Gegenwart. Trotz seiner streng orthodoxen Richtung verstand er es die Forderungen der Zeit zu würdigen. Vom Fanatismus hielt er sich fern. Dabei war er gerecht und in einer seltenen Weise uneigennützig. — Man