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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-04-01 · Heft 4 (1.4.1899) · p. Seite 74

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 4 (1.4.1899)
Date
1899-04-01
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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74 Vertretern der Kirche erwünschter sein als eine Schwächung und Zersetzung des Judentums, welche von ihm selbst ausgegangen ist. Da konnte man ja seine Unhaltbarkeit der Welt mit einem Scheine von Gerechtigkeit begreiflich machen, zumal das Haupt der antimaimunischen Partei, Salomo Montpellier, den beklagenswerten Schritt gethan, die Doniinicaner in diese innere Angelegenheit einzuweihen, nm seine Ansichten auf dem Wege der Inquisition durchzusetzen. Kimchi'klagt darüber, daß man dieser Vorgänge sich nur bediene, um die Haltlosigkeit der jüdischen Lehre zu beweisen?) Die Kirche hatte ohnedies ein sehr wachsames Auge für alle diese Übelstände. Wie genau man unterrichtet war über die eingetretenen Zerwürfnisse und Schwankungen innerhalb des Judentums, zeigen die Worte des im ersten Viertel des dreizehnten Jahrhunderts lebenden Bischofs von Paris, Wilhelm von Auvergne?) Bei so bewandten Umständen schien den Feinden der Zugang zum Herzen des Judentums nicht so sehr erschwert, um unter so günstigen Auspizien einen Angriff auf dasselbe zu versäumen. Neophyten und Apostaten waren in solchen Fällen ebenso erwünschte als bereitwillige Werkzeuge. Es fügte sich nun, daß der Rabbiner von La Rochel?), Donin (Dunin) wegen seines Unglaubens in den Bann gethan wurde?) Darüber aufgebracht, nahm er die Taufe und faßte einen unversöhnlichen Haß gegen das Judentum. Da er bei der gegenwärtigen Lage der Dinge auf das Gelingen seiner Rachepläne rechnen konnte, erhob er beim Papste Gregor IX. eine Anklage gegen den Talmud und erging sich in grellen Schilderungen des verderblichen Einflusses desselben auf das moralische Leben der Juden. Wie vorauszusehen war, wurde er mit offenen Armen empfangen. Man frohlockte, in ihm den Mann gefunden zu haben, dessen Belesenheit im Talmud alle anstößige» Stellen in demselben ausfindig machen werde. Statt der wiederholten eitlen Versuche die Grundlagen der Existenz dieses Volkes zu erschüttern, welche man bisher aus Unkenntnis seines Schrifttums nur schüchtern gewagt hatte, dachte man nunmehr einen offenen Kampf mit ebenbürtiger Stärke aufnehmen zu können. Nicolaus, welchen Namen Donin bei der Taufe angenommen, brauchte daher nur Gregor IX. durch Scheingründe, deren Unrichtigkeit der Befangene nicht zu entdecken vermochte, begreiflich zu machen, daß der Talmud der wesentliche Grund sei, weshalb die Juden so standhaft dem kirchlichen Einflüsse gegenüber ihre Lehren verfechten, um genossen gefunden, die sich über das Gebot der Phylakterien, der Schaufäden und Pfostenkapseln hinweggesetzt haben. Semag, Gebote No. 3. Ende. - In Spanien fand er unter den Juden sogar Mischehen mit Christinnen und Mohammedanerinnen vor, welche durch seine wirksame Ermahnungen wieder aufgelöst worden sind. Ibicl, Verbote No. 112. *) Kimchi's Sendschreiben in- Igereth Harambain, p. 26a 3) Gulielmi Arverni opera omnia de legibus, ed. Paris 1674, T. I. p. 24. 8) Revue orientale 1843—44, p. 453. 4) Wagenseil'sche Ausgabe der Disputatio R. Jechielis cum Nicolao, p. 7.

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