Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1899)
- Date
- 1899-03-01
- Page
- Seite 71 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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71 schichten handelnd auftreten, Der eigentliche Jnde der Neuzeit mit seinen Idealen findet keinen Raum in der löblichen Schnorrer-Gesellschaft, was den unbefangenen Leser einen falschen Begriff von Inden und Judentuin des neunzehnten Jahrhunderts inocculirt. — Dr. Herzl hat ein Lustspiel geschrieben, das im Hofburgtheater in Wien aufgeführt wurde. Es soll eine gelungene volkstümliche Wiener Posse sein, worin das Proletariat verherrlicht und die Millionäre, besonders einer scharf gegeißelt werden. „Meine Katie", so heißt das Stück, mag wohl gelungen sein, aber es wird kaum Herzl's Ruhm als jüdischer Patriot erhöhen, va der Fernstehende wenigstens sich denken muß, der Dichter wolle sich an den Wiener Millionären rächen, die seine Projekte nicht unterstützen. Der Pöbel kann sich unter den gegeißelten Millionären nur Juden denken. Meserate und Mitteilungen. „Geschichte der deutschen Juden". Von Dr. Adolph Kohut. Jllustrirt von Th. Kutschmann. Berlin, Deutscher Verlag (Ges. m. b. H.). Vollieferung 2. Preis 2 Mk. Dieses, von dem gebildeten Publikum und der gesammten Presse mit außerordentlichem Wohlwollen aufgenomniene kulturgeschichtliche Volksbuch enthält in seiner zweiten Lieferung eine Fülle hochinteressanten und lehrreichen Lesestoff, welcher unsere Kenntnis des Mittelalters und zahlreicher Vorgänge in demselben wesentlich bereichert. Wir lernen u. A. den jüdischen Minnesänger Süßkind von Trimberg und seine Dichtungen kennen und wohnen seinen Familien- und Freudenfesten und den Waffenspielen der deutschen Juden im 12. und 13. Jahrhundert bei. Überaus fesselnd sind die Schilderungen der zahlreichen Märchen und Legenden aus altersgrauer Vorzeit und den abergläubigen Vorstellungen von den Wundern des Bluts und den Hostiendurchstechungen, welche so oft blutige Verfolgungen hervorriefen. Der Verfasser führt uns Friedrich II., den Hohenstaufen-Kaiser und seine Zeit vor und wir erfahren daraus, daß schon dieser Monarch eine Kommission hervorragender Staatsmänner und Gelehrten über die Blutbeschuldigungsfrage zusammengerufen hatte, welche diese Verdächtigung als ein Ammenmärchen erklärte. Der Kulturhistoriker findet hier eine sehr reiche Ausbeute, indem er die Art und Weise der Besteuerung der deutschen Juden unter Otto IV. und Friedrich II. ersieht und Näheres über die Judenzeichen, Farben und Formen, sowie Kleidertrachten und Kleiderluxus im frühen Mittelalter zu wissen bekommt. Überaus reichhaltig ist der bildnerische Schmuck, der illustrirte Teil. Neben einem hebräischen Blatt aus einem in Prag 1557 gedruckten Gebetbuch, das ein