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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-02-01 · Heft 2 (1.2.1899) · p. Seite 26

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 2 (1.2.1899)
Date
1899-02-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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26 und Wehklage, über den Ausfall der Vorstandswahl in Berlin und die Manifeste der Liberalen in Frankfurt werden Jeremiaden angestimmt. Cassandra prophezeit Zerstörung. Den Herzl-Nordaui'schen Zionisten kommt der Rücktritt des Antisemitismus und der Vortritt des jüdischen Liberalismus auch sehr ungelegen. Die zehren jetzt an der Verfolgung der Juden und ihrer Ausschließung von der Gesellschaft. Das ist ihr starkes Kapital. Das zwingt die Juden, aus den Cultnrvölkern auszntreten, sich in das Schneckenhäuschen ihres eigenen Nationalbewußtseins zu verkriechen und ihr eigenes Städtchen mit einigen Tausend russisch-polnischen Juden zu gründen. Hört aber der Antisemitismus auf, geht die ganze Bewegung in die Brüche, da bei normalen Zuständen auch die russisch-polnisch-rumänischen Juden am liebsten zu Hause bleiben, wie sie das vor dem Ausbruch des Antisemitismus hinlänglich bewiesen haben. Und dazu noch gar das Aufleben des jüdischen Liberalismus, der das Judentum als Religion und nicht als Nationalismus auffaßt und lehrt, die Jerobeam-Politik ernstlich und entschieden von sich weist. Das bedeutet das Ende vom politischen Zionismus. Die Herren verstehen das wohl, aber sie sind keine gewöhnlichen Menschen, sie sind eben Politiker, und die verstehen die Kunst, sich zu helfen. Die Welt, wenigstens die intelligente, weiß zwar, daß jetzt kein Jude aus dem Auslände in Palästina sich niederlassen kann, weil die Türkei die staatbildende Jnsurrection nicht dulden, nicht billigen will und nicht kann, wie auch kein anderer Staat sich das gefallen lassen würde oder könnte. Das wissen die Herren wohl auch, aber sie haben ein Geheimnis, das die Welt noch gar nicht kennt. So wollte auch jüngstens in der „N. U. World" ein verrannter Enthusiast dem Publikum seine Narrenkappe aufsetzen, indem er der Welt das Geheimnis vorgaukelte, und noch dazu eine Einmischung des Papstes, die Türken aus Palästina zu vertreiben zu Gunsten der Juden dichtete. Wer dem Publikum so etwas vorschwatzt, braucht deshalb noch kein Lügner, er braucht nicht einmal verrückt zu sein, denn die Politik bringt es mit sich, daß man in der Not dem leichtgläubigen Publikum blauen Dunst vor das Sehorgan Vormacht. Die Welt weiß zwar und die Herren Zionisten wissen es, auch, daß Kaiser Wilhelm nie und nirgends ein günstiges Wort für den politischen Zionismus als Potentat und ausgesprochener Freund der Türkei geäußert haben kann, da die Ordre, keine Juden in Palästina zuzulassen, gleich verschärft wurde. Die Politik weiß sich zu helfen, etwas Lüge schadet der Sache nicht, so lange das Geheimnis, was man aus diplomatischen Gründen nicht ausplaudern darf, dem Publikum nebelhaft vorschwebt. Nun kommt aber der Kaiser Franz Joseph, beschenkt das Volk mit Orden und Dienstmedaillen, darunter auch die Juden, und, o Himmel! nicht ein Zionist darunter, obwohl Dr. Herzl und Dr. Nordau selbst Oesterreicher sind. Kein Bröckchen ist für die Staatsbilder und Nationalitätsschmiede vom Tisch«

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