Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1898)
- Date
- 1898-11-01
- Page
- Seite 260 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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St. Louis, Missouri, Herr Isidor Dusch, einer der geachtetsten Israeliten und Deutsch-Amerikaner der Vereinigten Staaten, im Alter von 78 Jahren gestorben. In Prag 1820 geboren, war Busch lange Zeit in Wien Buchhändler und ist durch die Herausgabe des „Jahrbuchs und Kalenders für Israeliten" sowie als Nachfolger der bekannten Verlagsfirma Anton von Schmied vorteilhaft bekannt. Das Jahrbuch, das dann von Werthheimer, Kompert und Szanto fortgesetzt wurde, gab Busch von 1842—51 in 9 Jahrgängen heraus, die die wertvollsten Beiträge von jüdischen Schriftstellern und Gelehrten enthielten. 1848 nach Amerika ausgewandert war er zuerst Schriftsteller und Maler. Dann beteiligte er sich am öffentlichen Leben, war Mitglied der Legislatur im Staate Missouri, einer der einflußreichsten Führer im Bne Berith-Orden und Mitgründer des jüdischen Waisenhauses in Cleveland. Ganz besonders hat er sich in den letzten Jahren als Weinbergsbesitzer in der Bekämpfung der Reblaus Verdienste erworben. —In San Franffslro ist einer der bekanntesten Deutschen an der amerikanischen Pacificküste, Herr Adolf Sutro gestorben. Adolf Sntro war im Jahre 1830 in Aachen geboren und kam 1850 nach den Vereinigten Staaten. Er hatte auf der Reise von den großen Goldentdeckungen in Kalifornien gehört und begab sich sofort dorthin. Im Jahre 1860 besuchte er die Bergwerks-Regionen von Nevada und faßte dort den Plan des großen Tunnels, in das Herz der Berge, ein Unternehmen, mit dem der Name Sutro unvergänglich verbunden ist. Die Vollendung des Tunnels nahm über zehn Jahre in Anspruch, von 1869—1879, und machte Sutro zum vielfachen Millionär. Einen Teil seines Reichtums verwendete er auf die Anlage einer großen öffentlichen Bibliothek und Gemälde-Gallerie. Auch machte er der Stadt Franzisko im Jahre 1887 eine Nachbildung der Bartholdischen Freiheitsstatue zum Geschenk. Sutro war ein Neffe des bekannten Rabbiners Abraham Sutro in Münster. Er selbst hatte aber wenig Sinn für das Judentum. In den letzten Jahren soll er sogar in der Heilsarmee eine große Rolle gespielt haben- Zuletzt war sein Geist umnachtet, und seine Kinder zerrten durch häßliche Prozesse um die Vormundschaft über ihren Vater, dessen geachteten Namen in den Staub. — Die Centralkonferenz amerikanischer Rabbiner, welche vom 5—10. Juli in Atlantic City tagte, faßte folgende Beschlüsse: 1. Die „literarischen." Die Fertigstellung einer Encyklopädie der jüdischen Geschichte und Literatur bis auf unsere Zeit in zwei Bänden; Fertigstellung einer populären Ethik des Judentums, eines Buches für die häusliche Andacht und einer Begräbnisagende mit Gebet und Lesestücken für das Trauerhaus. 2. Die „praktischen:" Die Konferenz erklärt sich als ein permanenter und gesetzlich incvrporierter Körper, dessen Fortbestand oder Auflösung nur nach bestehenden Staatsgesetzen erfolgen kann. 3. Die theologische:" Was ist Judentum vom Standpunkte dieser Conferenz? Ist gelöst durch das von der Conferenz herausgegebene und von 120 Gemeinden eingeführte Gebetbuch, worin ein entsprechender Ausdruck für die