Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1898)
- Date
- 1898-11-01
- Page
- Seite 258 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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258 tischen Boykotts", so heißt es in dem Prospekte weiter, „ein Ausbeutungsobjekt für jüdische Capitalisten und ein heimatsloser Fremdling, der im Kampfe um das trockene Brot von einem Arbeitsmarkt auf den anderen geschleudert wird, hat der jüdische Arbeiter keinen Freund, der für ihn spricht, kein Organ, das für ihn eintritt." „Der jüdische Arbeiter" soll nun dieses Organ sein. — In seinen Reiseberichten in der „Neuzeit" schreibt Herr Dr. Löwy über die Chassidim in Krakau: Neben der „Alten Schul" befindet sich eine Treppe hoch die Betstube der Chasidim, der Hyperfrommen. Als ich dahin kam, es war bald Mittag, hatten sie das Mussafgebet noch nicht begonnen. Totenstille herrschte wie in einem Trappistenkloster daselbst. Die Leute saßen auf langen Bänken vor Folianten, keiner beachtete, keiner begrüßte mich, keiner hob das Auge vom Buche weg. Es waren Talmudteile, Codices, Erbauungsbücher, kabbalistische Schriften, in die sie vertieft schienen, in die ihre Blicke starrten; doch bemerkte ich keine Geistes- oder Gefühlserregung, kein lichter Funke rötete die Wangen, keine glückliche Nätsellösung machte das Auge blitzen. Es schien, als ob es Mumien» Abgeschiedene, dem Erdenleben Entrückte wären, die prophetischen Visionen entgegenharrten. — Rabbiner Dr. Samuel Funk, bisher in Sarajewo, wurde an Stelle des Verstorbenen Dr. David zum Rabbiner in Prcßburg gewählt. — Der in Meran vor Kurzem verstorbene ehemalige Präsident des Egerer k. k. Kreisgerichtes, Herr Rudolf Englisch, der Katholik war, hinterließ letztwillig der israel. Cultnsgemeinde in Eger ein Legat von 100 fl., als Beitrag zur Anschaffung einer neuen Ampel für das ewige Licht im Tempel. — Wie Schweizer Blätter berichten, haben die Zionisten die Absicht, in Basel ein Kongreßhaus zu bauen. Von dem ausführenden Ingenieur Marmorek ist bereits der Regierung eine Eingabe eingereicht worden um Überlassung eines geeigneten Bauplatzes. — In Paris erscheint ein neues Antisemitenblatt, das sich „L'Antijuif" betitelt. — Anläßlich des Gedenktages der Schlacht bei Mars la Tour vom 16. August 1870 hat es sich Bischof Tunisaz von Uanry nicht länger versage» können, sein Bruder- und Nächstenliebe forderndes Hirtenamt gründlich mit Füßen zu treten. Unter dem zustimmenden Applaus des Publikums zog der Bischof gegen die Juden los und freute sich jedesmal, wenn den Kraftstellen seiner Rede ein tausendstimmiges, „a bas les juifs, ä bas les chochons etc." folgte. Eine traurige Thatdas für einen katholischen Bischof. — Der greise Dichter Herr David Levy in Turin hat ein Epos „Ahasver auf der Teufelsinsel vollendet, das, wie der Titel besagt, das bejammernswerte Geschick Alfred Dreyfus' behandelt. — In Italien sind gegenwärtig 79 jüdische Gemeinden mit einer Bevölkerung von 47 790 Seelen. Die größte Gemeinde ist die zu Rom mit 7500 Seelen: dann kommt Livorno mit 4050 Seelen. — Während man in Frankreich die Ideen der Gerechtigkeit und Humanität verleugnet, werden in Rußland Sümmen laut, die Beachtung verdienen. Außer dem Abrüstungsvorschlag des Zaren, zu dem ein getaufter Jude Staatsrat Bloch ans Warschau