Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1898)
- Date
- 1898-10-01
- Page
- Seite 235 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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235 jüdische Handwerker und Kleingewerbetreibende in's Leben zu rufen- Diese Stiftung wird in der Folge vergrößert und in der Kreirung eines Blinden- und Taubstummen-Jnstitutes, sowie eines Asyls für unheilbare Kranke für die Lemberger jüdische Kultusgemeinde ihren Ausbau finden. — In Iarnopol starb im Alter von nahezu 80 Jahren der berühmte Talmndist Herr Bensch Goldenberg, der Vater des Wiener Architekten Herrn Adolf Goldenberg, ein Gelehrter von hohem Ansehen, seiner Herzensgüte und seines Wohlthätigkeitssinnes wegen von Christen und Juden gleich geehrt- Zahlreiche Werke in hebräischer und deutscher Sprache sichern dem Dahingeschiedenen ein bleibendes Gedenken. — Aus Kasel berichtet man: In diesem Jahre haben 380 Delegierte an dem II. Zionisten-Congreß teilgenommen. Zum Präsidenten wurde Herr Dr. Herzl gewählt. Gegenwärtig bestehen 913 Ortsgruppen und zwar in Rußland 373, in Österreich-Ungarn 218, in Rumänien 127, in Amerika 60, in England 26, in Deutschland 25, in Bulgarien 16, in Italien 12, in der Schweiz 6, in Transvaal 6, in Frankreich 3, in Bulgarien 2, in der Türkei 2, in Egypten 2, in Dänemark 1, in Serbien 1, in Griechenland 1. Das Hauptinteresse erregten die von Herzl, Nordau und Mandelstamm gehaltenen Reden. Es ist sehr zu bedauern, daß so viele ideale Kraft für utopische Ziele verschwendet wird, denn wenn man es auch in allen Kreisen gerne sieht, daß den „ökonomisch verkommenen Juden" des Ostens die Auswanderung ermöglicht wird, so muß man sich jedoch auf's entschiedenste gegen den Zionismus und seine Bestrebungen verwahren, der über die Juden Stürme heraufbeschwört, denen sie nicht gewachsen sind. Wenn Herr Herzl sich in seiner Rede gegen die Orthodoxen wendet, die für Zion beten und gegen Zion auftreten, so haben die Führer der Zionisten gerade hierüber am wenigsten Grund zu klagen, da auch Herr Nordau den Mund voll nimmt mit Worten der Entrüstung gegen die Juden, die sich so gerne assimilieren und doch erst vor Kurzem eine Katholikin geheiratet hat, woraus wir ihm allerdings keinen Vorwurf gemacht haben wollen. Eine Verständigung mit der türkischen Regierung wird auch durch das Mittel der ins Leben gerufenen Kolonialbank hinsichtlich der Besiedelung Palästinas schwerlich von Erfolg sein, da die Europäischen Mächte auch ein Wort mitsprechen würden und da überdies abgesehen davon, daß der Bewegung kein religiöser sondern nur ein politisch-sozialer Gedanke innewohnt, auch die Zeiten ganz andere sind als in den Tagen Esras und Nehemias, da damals noch kein Christentum bestand, das in Palästina ihm heilige Stätten besitzt. Herr Dr. Max Nordau sprach über die allgemeine Lage des jüdischen Volkes in den einzelnen Ländern und verflieg sich dabei zu sinnlosen Sätzen wie: die jüdischen Gegner des Zionismus sind bestimmt als Juden zu verschwinden, die Zionisten sind keine Partei sie sind das Judentum, in unserem Lager ist Israel, Ihr anderen seid müßige Glieder. Bedauerlich ist, daß Herr Dr. Mandelstamm behauptet, daß das Judentum ein durch und durch kranker Organismus sei. Erlassen Sie mir für heute noch Mehreres zu berichten. Die gedruckten Protokolle, die ich Ihnen werde seiner