Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1898)
- Date
- 1898-09-01
- Page
- Seite 215 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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215 Sie lacht wie ein Cretin Dir in's Gesicht Und lästert Alles, nur sich selber nicht; ' Und nichts bleibt übrig Dir von diesem Viehchen, Als sacht' Dich in Dich selber zu verkriechen. „Jetzt geht es mir etwas besser, und obgleich ich noch immer ganz entkräftet zu Bette liege und Tag und Nacht von den fatalsten Contractionen gepeinigt werde, so glimmt doch wieder manchmal etwas Lebenshoffnung in mir auf. Ich wünsche mir freilich den Tod, und er wäre für mich gewiß eine Wohlthat, da ich nur momentane Schmerzenslinderung erwarten darf, iin übrigen aber als ein unglücklicher Krüppel vegetieren müßte. Daß es einen Himmel giebt, liebster Max, das ist ganz gewiß, seit ich dessen so sehr nötig habe bei meinen Erdenschmerzen. ' Leb' wohl, mein teurer Bruder, der Gott unserer Väter erhalte dich. Unsere Väter waren wackere Leute; sie demütigten sich vor Gott und waren deshalb so störrig und trotzig den Menschen gegenüber; ich bot dem Himmel frech die Stirne und war demütig und kriechend vor den Menschen — und deswegen liege ich jetzt am Boden wie ein zertretener Wurm. Ruhm und Ehre dem Gott in der Höhe! Dein armer Bruder H. Heine." Domela MeuwenHuis über die Mibel. Der bekannte niederländische radikale Sozialist Domela Nieuwenhuis sagt in seinem Schriftchen über die Bibel: „Es giebt Leute die da sagen: Die Bibel ist ein Sammelsurium von Unsinn und sie hat für uns keinen Wert mehr, deshalb geben wir uns nicht mit ihr ab. Diesen aber entgegnen wir: „dann verlierst du viel, denn die Bibel ist die Frucht des Nachdenkens eines früheren Geschlechts und läßt erkennen, wie dieses sich die verschiedenartigsten Dinge vorstellte; sie ist die litterarische Reliquie eines ehrwürdigen Volkes, welches mit seinen Tugenden sowohl als mit seinen Mängeln — und wer von uns wäre frei von Mängeln? — eine hervorragende Rolle im Buche der Geschichte spielt." „Man braucht wahrlich nicht gläubig zu sein," fährt Nieuwenhuis fort, „um für die Schönheiten der Bibel ein offenes Auge zu haben und wo zahlreiche Menschen, die man nicht zu den geistig zurückgebliebenen rechnen kann, rühmen, wie hoch sie ein Buch schätzen, da wird man venünftig handeln, dasselbe zunächst zu lesen und dann zu beurteilen. Göthe bewunderte viele Stellen der Bibel und selbst ein Heine schrieb nach dem Lesen derselben: ich gestehe Dir, trotzdem ich ein heimlicher Hellene bin, hat mich das Buch nicht blos gut unterhalten, sondern auch weidlich erbaut. Welche ein Buch! groß und weit wie die Welt! — Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, Verheißung und Erfüllung, Geburt und Tod, das ganze Drama der Menschheit,