Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-09-01 · Heft 9 (1.9.1898) · p. Seite 213

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 9 (1.9.1898)
Date
1898-09-01
Page
Seite 213 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2969669-2969851-2969861--5492-2974795
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

213 wieder geliebt. Ein Offizier war auf ihn eifersüchtig und nannte ihn einen — Saujuden. Mein Sohn, mein einziger Sohn, meine Stütze und Hoffnung, schlug sich und wurde mitten in's Herz getroffen. Dort, dort liegt er in der Stube, wo er Ihnen gestern gesagt hat, er wird sie besuchen. Er hat Sie besucht — leider tot. Moische und sein Sohn sind mir unvergeßlich. Wein Glaube, aus dem Nachlasse des protestantischen Konsistorialrates und Professors David Schulz. Mein Glaube. Ich glaube daß die schöne Welt regiere Ein hoher, weiser, nie begriffner Geist, Ich glaube, daß Anbetung ihm gebühre, Doch weiß ich nicht, wie man ihn würdig preist. Nicht glaub' ich, daß der Dogmen blinder Glaube Dem Höchsten würdige Verehrung sei: Er bildete ja das Geschöpf vom Staube, Von Irrtum nicht und nicht von Fehlern frei. Drum glaub' ich nicht, daß vordem Geist der Welten, Der schuf des Talmud und des Alkoran Bekenner, wen'ger sie als Christen gelten: Verschieden zwar, doch alle beten an. Ich glaube nicht, wenn wir vom Priester hören, Der Christen Glaube mache nur allein Uns selig, wenn die Finsterlinge lehren, Verdammt muß jeder, Andersdenker sein. Das hat der Weise, der einst seine Lehre Mit seinem Tod besiegelt, nie gelehrt, Das hat fürwahr, — dem Herrlichen sei Ehre!— Kein Jünger je aus seinem Mund gehört. Er lehrte Schonung, Sanftmut, Duldung üben, Verfolgung war der hohen Lehre fern: Er lehrt' ohn' Unterschied die Menschen lieben, Verzieh dem Schwachen, jedem Feinde gern! Ich glaube an der Geister Auferstehen, Daß, ob dereinst das matte Auge bricht, Geläuterter wir dort uns Wiedersehen, Ich glaub' und hoff' es, doch ich weiß es nicht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.