Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1898)
- Date
- 1898-07-01
- Page
- Seite 168 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Minorität sind. Das kann doch nicht die Ursache ewiger Verfolgung sein. BloS deshalb sollte man uns auch unsere Tugenden als Fehler anrechnen? Das ist entsetzlich. Und wißt ihr zu welchem Schlüsse der Jude gelangt? Ihr werdet euch wundern! In solchen Zeiten sieht der Jude den Finger Gottes. Vielleicht wäre ich gänzlich aufgegangen, sagt er, wenn dieser Faustschlag nicht dazwischen gefahren wäre. Ich war ja kaum mehr Jude, Gott aber, so scheint es, will sein Volk, das in der Freiheit zugrundegehen würde, erhalten. Gott hat mit Israel noch seinen Plan. Es hat noch eine Mission. Vielleicht die,daß es die Menschen zu milderen Sitten, zu höherer Menschlichkeit, zur wahrhaftigen Liebe erziehe. Und wenn der Jude diesen Gedanken gefaßt hat, spinnt er sich von Neuem ein in seinen Glauben, in seine Mission. Er gewinnt wieder seine Kraft, er entdeckt von Neuem seine sittliche Superiorität. Mitleidsvoll sieht er auf die Gesellschaft herab, die sich so hochstehend dünkt, während er die Dinge in ganz anderem Lichte sieht. In seinem Herzen lebt die alte Kraft wieder auf, die alte Liebe, die alte Widerstandskraft. Er hat seinen Glauben wiedergefunden, auf den er stolz ist, und für welchen er zu jedem Martyrium bereit ist. Jetzt dankt er seinem Gotte dafür, daß er zu Zeiten Israel züchtigt. Ein solcher Jude kann dann durch Spott, Beleidigung und Verfolgung nicht mehr wankend gemacht werden, er leidet und verachtet seinen Peiniger. Nun könnet ihr alle euere Missionäre zu ihm schicken. Wahrlich, diese werden sich eher zum Judentum bekehren (was schon oft geschehen ist) als der unschuldig verfolgte Jude zum Christentume. Edles Beispiel, Liebe und wahrhaftes Menschentum, das sind die Schlüssel, die dem Missionär die Thüren der Juden öffnen. Der Antisemitismus hat den Juden seinen alten Glauben wiedergegeben. Der Antisemitismus gereicht der Bekehrunsthätigkeit zum Fluche. Übrigens weiß ich nicht bestimmt, ob wirklich ein anglikanischer Seelsorger diesen Artikel geschrieben hat. Wenn ich ein englischer Missionär wäre, dann hätte ich ihn so geschrieben. Wahr aber bleibt es, wenn er es auch nicht geschrieben. (Nach Egyenlösvg.) 82. M. Inhalt: Der Wahlaufruf der liberalen Partei in der Berliner jüdischen Gemeinde. — Rede, gehalten am Grabe der Märzgefallenen in Wien am 17. März 1848 von Prediger I. N. Mannheimer. — Die Versöhnung des Judentums mit dem Christentum. — Die Abhängigkeit des Neuen Testaments vom Alten Testamente von Dr. I. Kahan, Rabbiner in Waidhofen a. Th. — Die Sprüche der Väter und ihre historischen Beziehungen von Rabbiner Dr. Friedmann in Lublinitz. — Baron Bela Atzel über die Klagemauer in Jerusalem. — Das Judentum eine Religion der Entwicklung. Aus einer Schrifterklärung von Rabbiner Dr. N. Brüll f. A. — Den Brüdern in Christo. — „Plewwen". Eine Frankfurter Berlobungsgeschichte- — Der Antisemitismus eine Pestbeule am Leibe der Kirche. _ Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner vr. Adolf Brüll; in Kommission für de» Buchhandel bei Franz Benjamin Ausfarth; Druck und Inserat-Annahme: H. L. Brönner's Druckerei (F. W- Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Mgin.