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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-07-01 · Heft 7 (1.7.1898) · p. Seite 166

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 7 (1.7.1898)
Date
1898-07-01
Page
Seite 166 (sequence 22)
Language
German
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166 und sie auch unzählige Male veröffentlicht, aber das christliche Europa will nicht auf uns hören. Dieses bestärkt vielmehr tagtäglich den Trotz und die Widerstandskraft der Juden. Der Antisemitismus ist es, der die Aufgaben der Missionsgesellschaft ungeheuer erschwert. Seit dem Jnslebentreten dieser unglückseligen wie unchristlichen Bewegung datiert das Sinken unserer Gesellschaft. Die Juden sind eben ein merkwürdiges Volk. Andere Völker gehen durch Verfolgung zu Grunde, das jüdische Volk wird durch Verfolgung erhalten und gestärkt. Die Juden sind ein denkendes Volk. Sie sagen sich: Das Christentum, das sich als die Religion der Liebe giebt, spricht von edlen Sitten. Aber wo ist diese edle Sitte und wo diese Liebe? Lügenhafte Anklagen werden geschmiedet, damit man uns verfolgen könne. Der Fehler des Einzelnen wird der Gesamnitheit zur Last gelegt, damit man uns unterdrücke. Mühsam sucht man einen Rechtstitel für die Verfolgung und den Haß. Ist das Christentum so edel und so voller Liebe, dann sollten auch die Bekenner desselben edelinütig und liebevoll sein. Wenn aber der Jude so, viel Ungerechtigkeit, Haß und Rohheit bei den Christen wahrnimmt, wie sollte er das Christentlim als gut und edel anerkennen! Wißt ihr, meine Brüder in Christo, was die Juden sagen? Sie sagen: Jetzt erst erkennen wir, daß wir auch in der Gegenwart eine hohe Mission zu erfüllen haben. Wir Juden haben die Aufgabe, die Nationen durch unser Beispiel zu edlerer Gesittung, zum höheren Menschentum, zur Geduld und Liebe zu erziehen, welche Aufgabe ja das Judentum unleugbar einst erfüllt hat. Indem der Jude die Rohheiten des Antisemitismus sieht und erfährt, sagt er sich schmerzlich bewegt, aber doch niit Befriedigung, daß er weitaus sittlich höher stehe als die Andern. Unsere Missionäre mußten es des Öftern von den Juden anhören, es sei entweder unwahr, daß das Christentum die Liebe Predigt, oder wenn es wahr sei, müsse es eine Religion sein, die auf ihre Bekenner nicht zu wirken vermag. Und eine solche Religion kann uns nicht locken. Wir wollen eine Religion, die das Gute lehrt und auch die Bekenner zum Guten erzieht. Eine solche Religion ist die unserer Väter. Warum sollte ich sie verlassen. Sollte ich es deshalb thun, um der Ehre teilhaftig zu sein, mit einer großen Anzahl von rohen Gesellen zu demselben Glauben mich zu bekenne»? Ja wohl mit rohen Gesellen und Unterdrückern um jeden Preis. Denn Unterdrückung ist das Ziel. — Die Juden sind. Deutsche. Sie müssen daher verbrannt werden. — Sie sind keine Deutschen. Sie müssen also verbrannt werden. — Sie lieben die Rumänen nicht. Sie müssen verbrannt werden. Dreißigtausend Juden wehren sich dagegen, daß man sie vom Kriegsdienste im rumänischen Heere ausschließe. Sie müssen daher verbrannt werden. Ist das vielleicht die christliche Wahrheit und die christliche Liebe?

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