Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1898)
- Date
- 1898-07-01
- Page
- Seite 164 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2969669-2969851-2969859--5441-2974742- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1B4 Juden, welche Chanukalichter anzünden, wissen den Urtext der Makkabäergeschichte zu finden, oder kennen den ganzen historischen Vorgang dieser Verzweiflungskämpfe nur durch oberflächliche Überlieferung. Dennoch knüpft sich an Chanuka die lieblichste Erinnerung meines Lebens. Es war in Frankfurt am Main. In einer geschäftlichen Angelegenheit war ich nach dieser Stadt gefahren. In einer befreundeten Familie fand ich mich zum Abendessen, das mir zum Abschiedsmahl gegeben werden sollte, ein. Dort traf ich auch eine mir bekannte liebenswürdige junge Witwe, deren geistsprühendes Wesen mir stets gewaltig imponierte. Am meisten hatte ich jedoch vor ihrem hebräischen Wissen Respekt. Sie war bibelfest im Urtext. Es ist daran zu erinnern, daß am Rhein und Main die jüdischen Mädchen gründlich die hebräische Sprache mit klarer Kenntnis der Grammatik lernen. Ihre Eltern und Lehrer beschränkten sich nicht darauf, sie blos mit Gebetbuch und Machsor bekannt zu machen, deren Inhalt sie zu den entsprechenden Zeiten pflichtgemäß recitieren, sondern bringen ihnen eine verständnisinnige, philologische Kenntnis und historische Liebe zum Hebräischen bei. Sie verstehen, warum am Versöhnungstage gebetet wird, „daß uns kein ander Erbteil geblieben außer dieser Thora". Wir saßen im Salon gemütlich beisammen. Da meinte die junge Frau zu mir: „Sehen Sie mal, heute ist ein Chanuka-Abend, und Sie könnten uns vielleicht eine jüdische Geschichte oder solch kleine Geschichtchen mit heiteren Pointen zum Besten geben." Mein diesbezüglicher Vorrat ward in kurzer Zeit vollständig verbraucht, denn was ich an Nippsachen von solchen Bonmots wußte, kannte sie auch. Da schlug ich ihr vor: „Nun, Sie sind so gut im Hebräischen beschlagen, wollen Sie ein wenig mit mir „plewnen" oder „plewwen", wie man zu sagen pflegt". „Was ist dies?" „Das kennen Sie nicht? In den slavischen Ländern ist dies bei den Juden oder vielmehr seitens der jüdischen Lehrer ein Wortspielen, welches mit den vorgeschritteneren Kindern gelegentlich im Unterrichte des Hebräischen geübt wird. Das Wort „Plewnen" oder „Plewwen" ist slavischen Ursprungs. Es kommt vom slavischen Verbum plsso und heißt auf Deutsch „flechten" und „plauschen". Die Stammsilbe ist plet'. Aus diesem Stammworte ist weiters durch Anhängen eines deutschen Jargon-Verbalsuffixes das Wort „pletkenen" entstanden, und in böhmischen Landgemeinden können Sie es öfter hören, daß sich die Frauen am Sabbatnachmittag zusammensetzen, um zu „pletkenen" zu plauschen- Und aus der zweiten Bedeutung dieses Stammwortes, „Flechten" ist auf ähnliche Weise das Verbum „Plewnen" oder „Plewwen" entstanden. Es werden nämlich die hebräischen Worte aneinandergeflochten, und zwar auf folgende Weise: A sagt ein aus nur zwei Consonanten bestehendes hebräisches Wort, z. B. „Ab"; hierauf fügt L ein gleichfalls aus nur zwei Consonanten bestehendes Wort an, welches mit dem Schlußconsonanten des vorhergesprochenen Wortes beginnt, z. B. „Ben";