Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1898)
- Date
- 1898-06-01
- Page
- Seite 143 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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143 in der letzten Jahresausstellung im Künstlerhause mit einem Triptychon „Der Student" viel Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Meferale und Mitteilungen. Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstbistum Bamberg, bearbeitet auf Grund von Archivalien, nebst urkundlichen Beilagen von Dr. A. Eckstein, Distriktsrabbiner. (Bamberg, Druck und Verlag der Handels-Druckerei). Das hier behandelte Thema harrt bereits seit Anfang unseres Jahrhunderts eines geeigneten Bearbeiters. Schon im Jahre 1820 gab Dr. Nikolaus Haas die Absicht kund „eine kleine Geschichte der Juden und der Marienkapelle in der alten Judengasse zu Bamberg" zu schreiben, wozu er sich aus den Akten der städtischen Registratur Auszüge angelegt. Im Jahre 1824 stellte der Archivar Paul Oestreicher 200 Themata auf für die Erforschuug der ehemals fränkischen Ländergebiete, darunter auch die Aufgabe: „Geschichte der Juden und ihrer Verfolungen." Hierzu sind seitdem in verschiedenen Zeitschriften schätzenswerte Beiträge erschienen, aber eine zusammenhängende Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstbistum blieb noch immer ein wissenschaftlicher Postulat, dessen Lösung das vorliegende Buch gewidmet ist. Dasselbe leistet mehr als der Titel verspricht. Es enthält nicht blos eine — in Folge des Zustandes des Materials freilich nicht ganz lückenlose — Geschichte der Juden im Fürstbistum Bamberg, sondern auch eine Fülle allgemein kulturhistorischer Momente, die nicht allein den Historiker von Fach, sondern jeden Gebildeten interessieren werden. Ich verweise hier nur auf die Kapitel: Jurisdiktion, zur Handelsgeschichte, zur sozialen Lage und Sittengeschichte u. a. m. Wenn man in einer gewissen Litteratur von dem Ausbeutertum der Juden liest, das angeblich die grausigen Verfolgungen hervorgerufen, so kann man in dem Kapitel „Steuern und Abgaben" nach aktenmäßiger Darstellung sich überzeugen, wie systematisch die Juden ausgebeutet wurden. Sie hatten Steuern zu zahlen an den Kaiser, an den Bischof, an den Magistrat, Stolgebühren an die Geistlichkeit und Beiträge für das Klericalseminar. Da gab es neben der Haussteuer und Handelssteuer: Schutzgeld, Leibzoll, Pferdegeld, Gansgeld, Neujahrsgeldcr an die Hofkammerpräsidenten, Regierungsräte, Hofkammerräte und an sonstige Beamte. War der Jude gestorben, so wurde noch seine Leiche mit einem Totenzoll belegt. Dazu kamen verschiedene außerordentliche Steuern und Abgaben wie Jnterregnumsabgaben und Kriegsabgaben. Dabei waren die Juden des Fürstbistums arm, sehr arm und hatten große Schuldenlasten zu tragen. Sehr wertvoll ist das Kapitel: „Einige Kleingemeinden", das geschichtliche Ausführungen über elf Dorfgemeinden enthält, von denen bisher nichts oder nur wenig bekannt geworden. Darauf folgt das Kapitel „Das Rabbinat", das dem Litterarhistori-