Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1898)
- Date
- 1898-06-01
- Page
- Seite 139 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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einem Zweinndzwanzigstel seines circa vierundvierzig Millionen Gulden betragenden Nachlasses testamentarisch bedacht. Mittlerweile hatte dieses Fräulein gleich ihren Geschwistern den Glauben gewechselt. Als dieser Abfall Herrn Goldschmidt bekannt wurde, verfügte er in einem Codicill zu seinem Testament, daß Fräulein Wiener von Welten die Hälfte ihrer Erbschaft, also eine volle Million Gulden, an die Wiener israelitische Cultusgemeinde für wohlthätige Zwecke abzutreten habe. Nachdem Herr Goldschmitt nunmehr das Zeitliche gesegnet, wird Fräulein von Welten auf eine Million Gulden zn Gunsten der israelitischen Kultusgemeinde verzichten müssen. Herr Goldschmidt hat auch andere Wohlthätigkeitsinstitute, vorzugsweise Lehranstalten der Wiener Kultusgemeinde mit Legaten bedacht. — In Pr;ibram fand die feierliche Installation des neugewählten Rabbiners Herrn phil. Dr. Carl Kohn aus Königgrätz statt. — Ein Mann von ungewöhnlichen Geistesgaben und dennoch der Welt fast gänzlich unbekannt, der Beziehungen zu den vornehmsten Kreisen der Wiener Gesellschaft unterhielt und dabei bitterste Not litt, der Philosoph M. H. Waldmann, ist vor einigen Zeit im jüdischen Spital in Wien gestorben. Waldmann, ein Ungar von Geburt, arbeitete seit Jahren an einem großen Werke über „Die geschichtliche Einheit des Menschengeschlechtes". Einen Verleger fand er nicht, obgleich Fürstin Panline Metternich und Baron Nathaniel Rothschild seine Gönner waren. Vor einigen Wochen kam , Waldmann nach Budapest, um hier für sein Werk Propaganda zu machen. Gute Freunde bemühten sich, für ihn das Interesse litterarischer Kreise zu gewinnen, da scheiterte sein Lebensschifflein knapp vor dem Hafen. In seinen Manuskripten liegt die Frucht seines Lebens, die Arbeit von zwanzig Jahren. Einige hochvermögende Gönner wollen — wie das N. P. Journal meldet — den Schatz heben, den der Philosoph hinterlassen hat. — Die Warasdiner israelitische Cultusgemeinde feierte jüngst das 2bjährige Amtsjubiläum ihres Rabbiners Herrn Dr. Ignatz Ernst. — In Falkenau a. d. Eger starb Herr Rabbiner Jonas Kahn. — In Kobrrsdorf ist, allgemein betrauert, der Oberrabbiner Lazar Alt gestorben. Bei dem Begräbnis erschien die gesammte katholische Gemeindevertretung mit Pfarrer Matray an der Spitze. — In Budapest starb im siebzigsten Lebensjahre Frau Johanna v. Kifchitz, eine wegen ihres Wirkens auf humanitärem Gebiete bekannte Dame. Sie hatte seinerzeit den Baron Hirsch veranlaßt, größere Stiftungen zn machen, und erhielt von ihm jährlich 120000 Gulden zur Verteilung an würdige Arme und Waisenhäuser. Frau v. Bischitz wurde für ihr Wirken vom Kaiser durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone ausgezeichnet. Zum Andenken an diese edle Frau hat nun Baronin Hirsch für israelitische Budapester Waisenkinder den Betrag von 300000 Gulden gespendet. — Die Einweihung der israelitischen Abteilung des Centralfriedhofes in Vilsen wurde jüngst durch den Rabbiner Dr. A. Vosnanski vorgenommen — Der „Soir" in Hriistel veröffentlicht ein Interview mit dem Cardinal Erzbischof