Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1898)
- Date
- 1898-04-01
- Page
- Seite 93 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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' j 'yvrm'/A; •-. — 93 — Theater, Musik und bildende Kunst. — In „Hagars Liebe" von Franz Lindheimer, das demnächst im Frankfurter Stadttheater zur Aufführung gelangt, haben wir es mit einem durchaus modernen Stücke zu thun, es ist, wie ein Fachblatt schreibt, ein wirklich blühendes, dichterisch schönes Werk, das die Phantasie angenehm beschäftigt und durch schwunghafte, bilderreiche Sprache Wohlgefallen erregt. Die alten biblischen Gestalten werden gehoben, so namentlich Sarah, und gerechtfertigt ist das vorgestellte Motto: „Was menschlich groß und menschlich reich, ist überall und ewig gleich." — Am 28. Februar fand in Frankfurt a. M. ein Concert der Pianistin Frl. Emma Koch und des Concertsängers, Herrn Ludwig Strakosch, statt. Die vorgetragenen ' Piecen fanden durchweg den Beifall des zahlreich erschienenen Publikums, unter welchem künstlerische Koriphaeen zu sehen waren. —, In Frankfurt a. M. gelangte die vielerwartete fünfaktige Tragödie „Johannes" von Suderinann zur ' Erstaufführung. Es hat S. eine große Zeit- und Volkstragödie vorgeschwebt, die jzu schaffen ihm nicht gelungen ist. Nachdem in einem Vorspiel der Prediger in der Wüste vorgeführt ward, die Ankunft des Erretters dem schmachtenden Volke verkündend, soll Johannes dem sündigen Herodes entgegentreten, was auch bei dessen Gange zum Tempel geschieht, jedoch läßt er die Hand mit dem Steine sinken, weil das Evangelium „lieben" heißt. Johannes war gefesselt in den Kerker gebracht, aus dem er auf Fürbitte Salomes, der Tochter der Herodias befreit werden soll. Aber nachdeni das Anerbieten ihrer Jugend und Liebe von Johannes zurückgewiesen ward, folgt Salome den dämonischen Eingebungen ihrer Mutter, die Johannes eine Buhlerin gescholten, und fordert als Lohn für ihren Tanz vor dem römischen Gast Vittelius „auf goldener Schüssel das Haupt des Johannes." Des Täufers Haupt fällt, während in den Straßen zu dem Palast des Herodes mächtig das „H^isianah" dringt, mit dem das Volk Jesus, den Friedensfürsten, begrüßt. Das Werk ist reich an Vorzügen und einzelnen ergreifenden tief empfundenen, dramatisch äußerst bewegten Scenen,.die das Interesse des Zuschauers fesseln. Die Darstellung war eine äußerst wirkungsvolle. — Dr. Theodor Herzl's Drama „Das neue Ghetto" ist im Thalia-Theater in Herlin zur Aufführung gelangt und hat zu lebhaften Auseinandersetzungen in den Tageszeitungen Anlaß geboten. — Wien wird nun auch ein antisemitisches Theater erhalten! Das Projekt des Kaiserjubiläums-Theaters schreitet seiner Verwirklichung entgegen. Der Gemeinderath hat den Bauplatz im Werte von 150000 Gulden nnentgeltlich zur Verfügung gestellt, 500 000 fl. sind bereits zusammengebracht, so daß noch der Betrag von 150000 Gulden aufzubringen ist. Das Theater soll nur christlich-deutsche Künstler engagieren, nur Schauspiele, welche zur Bildung und Hebung der Sittlichkeit beitragen und von nichtjüdischen Autoren verfaßt sind, auf sein Repertoir setzen. Also nicht die künstlerische Bedeutung, sondern