Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 auf gegen die Vernichtung. Dreitausend Jahre Weltgeschichte haben es bewiesen, daß es unmöglich ist, die jüdische Volksseele zu vernichten. Wir können's nicht, und die Welt kann es nicht. „Seit meiner Jugend haben sie mich bedrängt," singt schon der alte Psalmist, (Ps. 129,1—3.) „seit meiner Jugend haben sie mich bedrängt, aber überwältigt haben sie mich nicht. Auf meinem Rücken haben Pflüger gepflügt und ihre Furchen gezogen." Ich konnte nicht untergehen. Zum Gespenst haben sie inich gemacht, weil ich nicht sterben konnte, aber ein Gespenst ist tot, und ich bin lebendig. Aus jedem Druck habe ich mich erhoben Und habe den Staub von mir geschüttelt und war, wie in meinen Frühlingstagen, blühend in Lebensfülle. Dreitausend Jahre sind wir Juden geblieben, weil wir nicht anderkonnten, und heute noch sind wir Juden und müssen Juden sein, weil wir nicht anders können, weil es uns übergewaltig im Judenthum festhält, weil unser Herz sagt: Ich will Jude sein, weil, Jude zu sein, eine Naturmacht, ein Element m uns ist, eine Quelle unseres Lebens, weil bas Judenthum in unserem Herzen wohnt, wie Gott in unserem Herzen wohnt, wie Elternliebe und Vaterlandsliebe in unserem Herzen wohnen, urwüchsig, ureingeboren! Hinterher erst kommt der Verstand und findet Gründe und Beweise, warum wir Juden sein müssen, und findet das gut und schön und löblich und vernünftig, was in unserem Herzen wohnt und längst darin gewohnt hat, ehe der geschmeidige Verstand es gerechtfertigt hat. Und Jeder, der ein jüdisches Herz hat, findet andere Gründe und immer bessere Gründe und meint nun wirklich, aus diesen Gründen, aus Ehrgefühl oder aus Pietät oder aus Bewunderung des Judeuthums oder sonst warum ein Jude zu sein und Jeder hat darum seine eigene jüdische Lehre und seine eigene jüdische Auffassung und erklärt sich für den wahren Juden, für den besseren Juden, für den echten und rechten Juden! Aber nicht die jüdische Ueberzeugung, nicht die jüdische Lehre, nicht das jüdische Bekenntniß ist das Erste, das Primäre, das Erweckende, sondern dajüdische Enlpfinden, das Instinktive, Undefinirbare, nennt's, wie ihr wollt, nennt's Gemeinschaft des Bluts, nennt's Stammesgefühl, nennt's Volksseele, am liebste« aber nennt's: Das jüdische Herz! Es ist ein Stück unserer Persönlichkeit, unser erweitertes Ich, es ist ein Erzeugniß des Blutes und der Erziehung, halb angeboren, halb anerzogen. Es schlummert oft im Verborgenen, aber plötzlich erwacht es und lodert zündend in unsrem Bewußtsein empor, und läßt uns unser jüdisches Herz entdecken, in religiös bewegten Zeiten oder in politisch erregten Epochen, wenn man uns angreist an unserer Ehre, wenn man uns ächtet und schmäht, wenn man unsere Heiligthümer schändet, wenn man unseren Glauben verleumdet, wenn man uns zu fremden Altären schleppen will, wenn uns der Zorn und die Verachtung 1 ’i ■i ■i ■ j