Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1897)
- Date
- 1897-12-01
- Page
- Seite 286 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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— 286 — Mid Kaufmann als synonyme Begriffe." — In seinem Werke „der Mensch" (zweite Auflage 1894, Bd. II) sagt Professor Dr. Johannes Ranke unter Anderem: „Die körperlichen Differenzen zwischen den Völkern sind geringer als die zwischen den verschiedenen Ständen; sie sind mehr von der Beschäftigung als von der Abstammung bedingt . . . Die Inden in den russischen Ostseeprovinzen stimmen in ihren Körperproportionen vollkommen mit den dortigen Ariern und Finnen überein, weil sie zum Teil Handwerker und Bauern sind und sich in« Allgemeinen von der Bevölkerung weniger als in Oesterreich durch den Mangel körperlicher Beschäftigung nnterscheiden ... Im südwestlichen Rußland entspricht die Körpergröße der Inden derjenigen der christlichen Bevölkerung, unter welcher sie leben; unter einer Bevölkerung von großem Wuchs sind auch die Inden groß. In ähnlicher Weise sind blonde Inden in Deutschland nicht selten, noch häufiger in Polen und Rußland." — In dem neu erschienenen Werke von Eberhard Gothein „Ueber Ignatius von Loyola und die Gegenreformation" wird Polanco's erwähnt, des langjährigen Geheimschreibers des Ignatius. Polanco war des Ignatius Landsmann; er war aus Burgos gebürtig, ein getaufter Jude, der an der Pariser Universität Philosophie studierte unb dann als „seriptor apostolicus“ in den Dienst der römischen Curie trat. Er hatte sich schon 1541 der Gesellschaft Jesu angeschlossen; als er seine theologischen Studirn an der Universität Padua absolvirt hatte, ernannte ihn Ignatius zu seinem Sekretär. Polanco behielt diesen Vertrauensposten, so lange Ignatius lebte und blieb auch der Sekretär der nachfolgenden Ordensgenerale Lainez und Franz Borgia. Ueber die Art, wie er Sekretär des Ignatius wurde, wird Folgendes gezählt: Ignatius fragte ihn eines Tages, worin er die hauptsächliche Aufgabe eines Sekretärs sehe, und Polanco antwortete unverzüglich: „Darin, daß er Geheimnisse unverbrüchlich bewahrt." Das gefiel dem Ignatius ausnehmend, und Polanco erhielt als Sekretär Gelegenheit, sein Wort wahrzumachen. Ein ganzes Vierteljahrhundert lang ging die gesammte Korrespondenz des Ordens durch seine Hand und nichts war ihm verborgen. Ignatius benutzte ihn aber nicht blos als Schreiber, sondern besprach mit ihm alle Maßregeln und überließ ihm auch einen großen Theil der laufenden Geschäfte. Es wird schwer festzustellen sein, wie viel an den Entscheidungen des Generals, ja sogar an den Konstitutionen auf Ignatius selbst und wie viel auf Polanco zurückzuführen ist, aber das steht fest, daß Polanco der inneren Entwicklung und jin der ersten Leitung der Gesellschaft eine weit größere Rolle gespielt hat, als die äußerliche Betrachtung seines bescheidenen Auftretens vermuthen läßt. Die militärische Disziplin des Ordens war eben auch bei ihm in Fleisch und Blut übergegangen, sonst hätte ihn Ignatius nicht so gut brauche» können.