Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1897)
- Date
- 1897-11-01
- Page
- Seite 257 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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<~*J. ---*-y 1 " . 1 ' 1 4TJ. -i1 w — 257. — frist innerhalb der deutschen Burschenschaften und insbesondere innerhalb der Burschenschaft Germania in Kreslau über die Nichtaufnahme jüdischer Mitglieder geführt wird, ist nunmehr zu einem teilweisen Abschluß gekommen. Wie seinerzeit mitgeteilt wurde, hat die genannte Burschenschaft und nach ihr verschiedene andere den Beschluß gefaßt, in Zukunft keine Israeliten mehr als Mitglieder aufznnehmen. Alsbald protestierten hiergegen die „Alten Herren". Sie versammelten sich zu diesem Zweck vor einiger Zeit in Gleiwih und gaben dort in ihrem Widerspruch in einer einstimmig angenommenen Resolution energisch Ausdrllck. Es ward darin u. A. gesagt: „Wir weisen den finstern Teil der Unduldsamkeit, welcher den altgeheiligten Grundsätzen der deutschen Burschenschaften Hohn spricht und die Bande inniger Freundschaft unter den Bundesbrüdern verschiedener Konfessionen zu zerreißen sucht, zurück. Dieser Geist mißachtet die Freiheit und die Gleichberechtigung aller Bürger, verletzt die Ehre der Kommilitonen und widerstreitet dem Vaterlandssinn. Ein Beharren auf jenem Beschlüsse muß zur Trennung „alter" und aktiver Burschenschaften führen. Das Ansehen und die Ehre der deutschen Burschenschaften verlangt daher, daß jener Beschluß alsbald beseitigt und die gefährdete Eintracht wieder hergestellt wird durch ein einmütiges rückhaltsloses Bekennen zu dem Geiste vorurteilsloser Duldsamkeit, welcher immerdar der Stolz und die Zierde der deutschen Burschenschaften bleiben muß." Diese Resolution hatte ein Rundschreiben der „Germania" an sämmtliche Burschenschaften zur Folge, worin sie mitteilte, „daß sie diese Entschließung nicht für bindend halte, daß sie sich vielmehr das Recht wahren werde, über die Aufnahmefähigkeit neuer Mitglieder selbst zu entscheiden." Der Protest der „Alten" hatte also keinen Erfolg; dasselbe Schicksal teilten ihre späteren Vorstellungen und das Ende vom Liede ist nunmehr der in letzter Zeit erfolgte Austritt zahlreicher jüdischer und christlicher „alter Herren" aus der Burschenschaft. Hiervon hat die letztere ihren Kommilitonen selbst durch Zirkular Kenntnis gegeben. Die Ausgeschiedenen werden dem Vernehmen nach ihre Stellung zu der Streitfrage in einem Memorandum an alle Burschenschaften ausführlich darlegen. — In Köln wurde Herr Dr. Ludwig Kosenthal zum Rabbiner neben Herrn Dr. Frank gewählt und in Spandau Herr Dr. Weyl. — Der Inhaber des Levy'schen Pensionats in Kosen, Herr Oberlehrer Dr. Levy, ist an das Gymnasium seiner Heimatstadt Allenstein in Ostpreußen als ordentlicher Lehrer berufen worden. — Polizeilich inhibirt wurde infolge einer Anzeige des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" beim Polizeipräsidium der Verkauf und das Ausrufen antisemitischer Schriften in der Friedrichstraße zu Berlin. Einige der fliegenden Händler, welche den Anordnungen der Behörde ungeachtet den Vertrieb fortsetzten, wurden sistirt. Der größte Teil der in ihrem Besitze befindlichen, meist im Paul Heichen'schen Verlage erschienenen Schriften verfiel der Beschlagnahme, da sich alsbald herausstellte, daß sie für die Kolportage nicht freigegeben