Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1897)
- Date
- 1897-09-01
- Page
- Seite 216 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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216 Thätigkeit aus der Hofoper ausgeschiedeneu Concertmeister Jacob Grün. Alle musikalischen Kreise haben die Auszeichnung mit nachhaltiger Befriedigung begrüßt, denn es ist bekannt, welche feste Säule Grün im Wiener Musikleben war und hoffentlich noch lange bleiben wird. Wie viele schwankende Capellmeister Grün durch einen scharfen Geigenstrich im Orchester vor einer Blamage gerettet, wie oft er den Großen auf der Bühne weiter geholfen, erzählt nur die Geheimgeschichte der Oper. In weitesten Kreisen bekannt ist Grün's ausgezeichneter, vorurteilsloser Geschmack, der ihn an allem Schönen ungeteilte Freude finden ließ; bekannt ist ferner, daß Grün zu den allerbesten Violinlehrern gehört; bekannt ist endlich, daß er vortreffliche Bonmots zu erzählen weiß. Mit so vielen Tugenden mußte er sich ein Heer von Freunden erwerben. — Alphonse Levy, der bekannte Kunstmaler aus Maris, aus Straßburg stammend, hat daselbst in den Räumen des Musikalienhändlers S. Wolf einige Bilder aus dem Ghetto ansgestellt. Kunstkenner und Beobachter von Volks- und Stammestypen werden diese Sammlung von „8ovn68 jnive8“ mit gleichem Interesse beobachten. Und je länger man diese oft seltsamen, oft rührenden, oft fremdartig anmutenden, aber stets interessanten Typen aus dem jüdischen Leben beobachtet, desto lebhaftere Teilnahme wird man für sie und für den Zeichner empfinden, der diese lebenswahren Figuren zu verkörpern wußte. Auf den ersten Augenblick wird man sich über die Bedeutung dieser anscheinend mit wenigen großen Strichen flott hingeworfenen Figurenbilder nicht ganz klar; wenigstens wird man ihnen nicht in vollem Umfange gerecht. Je gründlicher man sich aber in das Studium der Arbeiten Alphonse Levys vertieft, desto mehr kommt man zum Bewußtsein, daß das Leistungen eines Zeichners ersten Ranges sind, Werke, bei denen jeder Zug, jede Linie mit einer geradezu liebevollen Sorgfalt und peinlichen Genauigkeit ausgeftthrt sind, Werke, die nur ein genauer Kenner des jüdischen Kultus und Familienlebens schaffen konnte. Wie die bekannten Ghettoschritftsteller mit Tinte und Feder in Worten, so malt uns Alphonse mit dem Bleistift in Strichen den alten Landrabbiner mit der Brille und den doppelgegabelten Langbart, der das Dorfkind die Bibel lesen lehrt, die betenden Israeliten in der Synagoge, den Vorsänger, den Beter mit der Palme, den Schächter, der das Geflügel untersucht, die jüdische Hausfrau, die den Kuchen zu dem Fest zurechtmacht, und viele andere altjüdische Typen, von denen manche heutzutage schon aus dem wirklichen Leben verschwunden sind und nur in der Erinnerung fortleben. Inhalt: Das Berliner Rundschreiben in der Sonntagsfrage. — Drei interessante Interviews. — Professor Levin Goldschmidt. — Marens Antokolski. — Zur Entstehung des Mormonismus. — Dein Herz nimm sorgsam in Acht! — Bald sind die Tage um. — Monatsschau. — Theater, Musik und bildende Kunst. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner vr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck und Inserat-Annahme: H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.