Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1897)
- Date
- 1897-06-01
- Page
- Seite 135 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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136 Der Wiederaufbau des Tempels, zu welchem Kaiser Trajan den Juden die Erlaubnis erteilt hatte, wurde durch die Bestrebungnn der Judenchristen vereitelt, sodaß die Feindschaft und Gehässigkeit Beider von da an immer zunahm und eine unüberbrückbare wurde (s. Joel, Blicke in d. R. I, 34ff, II, 89ff.) Und dieser Zeit gehört wohl auch unser Spruch an, welcher — wie es scheint — mit deni biblischen Beispiele von der Verführung der Thamar durch ihren Bruder Amnon und dem der Verführung nachfolgenden Hasse desselben, der sie ganz verstößt, entgegen der katholischen Darstellung von der beständigen Jungfräulichkeit Maria's, auf ihre Verführung, deren Frucht die Geburt Jesus gewesen, und auf die Verstoßung seitens des Verführes hirweist. Auch gegen die evangelische Darstellung, nach welcher der Zimmermann Joseph die Verlobte Maria nach der Geburt Jesus' zur Frau genommen, wollte sich dies Beispiel wenden. — Derselben Tendenz galt ja auch das Gerücht, von welchem der Talmud berichtet, daß die bereits vermählte Maria, von einem gewissen Joseph Pandira verführt, Jesus geboren habe. Beides, das biblische Beispiel und der talmudische Bericht, betonen noch in ähnlicher Weise die volle Widergesetzlichkeit der Verführung. 17. „Jeder Streit, welcher uni des Himmels willen geführt wird, hat schließlich Erfolg und Bestand, der aber nicht um Gottes willen geführt wird, hat am Ende keinen Erfolg und Bestand. Welches ist ein Streit um Gottes willen? Der Streit Hilles und Schammais; und ein Streit nicht aus göttlichen Beweggründen geführt, ist der Streit Korach's und seiner ganzen Gemeinde." — Standen vor der Vereitelung des Tempelbaues (s. ö, 16) die Judenchristen noch auf den Boden des mosaischen Gesetzes, so sahen nach derselben die Inden in ihnen ihre gehässigen Gegner und Feinde und erkannten ihren gegensätzlichen Streit als einen nicht ans göttlichen Beweggründen geführten, da sie sonst die ihnen günstige kaiserliche Erlaubniß nicht hätten zu Schanden machen dürfen. Und ans diese» Gegensatz, der auf Gehässigkeit und Feindseligkeit beruhend angesehen wurde, wies unser Spruch sie mit dem biblischen Beispiele Korach's und seines Anhanges, welches zugleich lehrte und hoffen ließ, daß aus ungöttlichen Motiven hervorgehende Streitigkeiten schließlich ohne Erfolg und ohne Bestand bleiben würden, und daß die Empörung der Judenchristen gegen die Juden in gleicher Weise wie der Aufstand Korachs gegen Mose dem reinen Judentums schließlich zu keinem dauernden und beständigen Schaden und Nachteil gereichen würde. (Fortsetzung folgt.)