Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1897)
- Date
- 1897-05-01
- Page
- Seite 120 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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120 Erinnerungen an die pittoresken Ghettowinkel von Paris, Venedig und Amsterdam wach. „Diese Pcmdämonien," heißt es in dem Vorwort, „sind voll seltsamer malerischer Reize. Eines Tages bricht in einem der vermoderten Häuser des Amsterdamer Ghettos Feuer aus. Welche Menge! welches Geschrei! Und da und dort erscheint in dem Schrecken, dem Angstgestöhn, eine Menschenblume, irgend' ein seltsam schönes Mädchen, irgend ein verträumter Jüngling, irgend ein Greis, welcher Figuren Rembrandt'scher Gemälde gleicht, ein Kopf jener gelehrter Rabbiner, mit welchen der große Maler sich gerne unterhielt, während seine Hand sie zeichnete." „Wir Katholiken," fährt das Vorwort fort, „haben jetzt keinen Maler, der für uns das wäre, was Herr Lövy für seine Glaubensgenossen ist. Vielleicht nur Puvis de Chavanne." Als die erste Ausstellung „zionistischer" Bilder ist die Sammlung von Gemälden des Pariser Künstlers interessant, ebenso wie der citierte Vergleich mit Puvis de Chavanne. Er erinnert daran, daß der Zionismus des Herrn Lövy aus derselben Quelle entspringt, wie der christliche Mysticismus Chavannes: aus der Sehnsucht eines Kindes unserer atomisirten, skeptischen, verlassenen Gesellschaft, den Zusammenhang mit den großen Reichen der alten Traditionen und des alten Glaubens wiederzufinden. — Von Hrn. Cantor Kirschner in München sind Synagogeugesänge für Cantor und Chor mit Orgelbegleitung, umfassend den Freitag-Abend-Gottesdienst, erschienen. — Die Vergebung des Stadttheaters in Landshut i. S., an dem bekanntlich seiner Zeit die Aufführung des „Pfarrers von Kirchfeld" beanstandet wurde, hat eine antisemitische Kontroverse hervorgerufen. Unter den Bewerbern befand sich der bisherige Direktor des Theaters in Amberg, C. M. Brackl, ein Bruder des Münchener Operettensängers. Das Gemeindekollegium vergab die Theaterdireküvn für die nächste Saison einstimmig an Herrn Brackl, der Magistrat sprach sich jedoch dagegen aus, weil Brackl jüdischen Glaubens sei. Direktor Brackl erhielt hiervon Kenntnis und war in der Lage, Nachweisen zu können, daß er und seine Allgehörigen protestantisch sind. Nun bekam er die Theaterdirektion übertragen wnb Landhut hat den Vorzug, einen christlichen Theaterdirektor zu besitze». — Einige christlich-soziale, klerikale und antisemitische Zeitungsleiter und Schriftsteller sind in Paris zu einem Ausschuß zusainmeilgetreteu, um ein christliches Theater zur Pflege ausschließlich idealer Kunst zu gründen, die „katholische Frömmigkeit und Judenhaß" fördern soll. Inhalt: Über Mission im Judentum. — Die Bedeutung des mittelalterlichen Judentums für exakte Wissenschaften und Naturforschung. — Peßachfest bei den Samaritanern. — Professor Daniel Sanders. — Das Bundeslied der „Friburga" in Freiburg i. B. — Monatsschau. — Referate und Mitteilungen. — Theater, Musik und bildende Kunst. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner Di°. Adolf Brüll; in Kommission sür den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck und Inserat-Annahme: H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.