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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-05-01 · Heft 5 (1.5.1897) · p. Seite 108

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 5 (1.5.1897)
Date
1897-05-01
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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— 108 — Gebiete der Massora. Am 18. September 1826 als Kind armer Eltern geboren, hatte er eine schwere Jugend durchzukämpfen und mußte aus Not im Jahre 1844 die Stelle eines jüdischen Dorflehrers in Niederhofheim annehmen. Sein früherer Studiengenosse und Freund Delitzsch sorgte aber dafür, daß er von den Fortschritten seines Lieblingsfaches stets auf dem Laufenden gehalten wurde. Um 1856 lernte er den jüdischen Verleger Lehrberger in Rödelheim kennen, der ihm nach dem Tode Heidenheims die Textrevisionen der von ihm herauszngebenden jüdischen Werke übertrug, indem er die Bedeutung Baer's ans dem Gebiete der Massora bald erkannte. Die Werke und Schriften, die Baer nunmehr herausgab, sind von überaus großer Zahl, doch bildet sein Hauptwerk, die textkritische und massoretische Bearbeitung der Bibel, die er im Verein mit seinem Freunde, dem obengenannten Leipziger Professor Franz Delitzsch edirte; hierbei wurden die beiden Forscher von der Tauchnitz'schen Buchhandlung, die ohne Aussicht auf Absatz, wie es Delitzsch in seinen lateinischen Vorreden öfters hervorhebt, nur im Interesse der Wissenschaft den Verlag übernahm, sehr unterstützt. In Biebrich, wo Baer Amt und Wohnsitz hatte, war es ihm vergönnt, mancherlei Freude zn erleben und die Früchte seiner schweren Mühen zu genießen. Kaiser Wilhelm I. verlieh ihm den Kronenorden IV. Klasse, indem er ihm gleichzeitig einen Jahresgehalt aussetzte, den auch die erhabenen Nachfolger des großen Monarchen ihm nicht entzogen. Am 15. November 1876 ernannte ihn die philosophische Fakultät der Stadt Leipzig zum Ehrendoktor. Die Deutsch-Morzenländische Gesellschaft creirte ihn zn ihrem ordentlichen Mitgliede und die Stadt Biebrich zu ihrem Ehrenbürger (Juni 1882). 1894 feierte Baer sein 50jähriges Dienstjubiläum. Am 2. März Nachmittags wurde er zur letzten Ruhe gebettet. — Michael Dernays einer der bedeutendsten deutschen Gelehrten und Litteratnrkenner, ist im Alter von 63 Jahren zu Karlsruhe einen: Herzschlage erlegen. Seine Hauptwirksamkeit galt der deutschen Litteraturforschung, an deren wissenschaftlichen Aufbau er als der Ersten und Rührigsten einer um die Wende der sechziger Jahre mitgearbeitet hat. — Man berichtet von folgender Mitteilung über eine von der staatlichen Unterrichtsverwaltnng, also wohl von dein brandenbnrgischen Provinzial-Schulkollegium, ergangenen Entscheidung in Sachen des Religionsunterrichts für die Zöglinge der Kerliner Schulen und des Befähigungsnachweises für die jüdischen Lehrkräfte zur Erteilung dieses Unterrichts: „Die Leiter der Schulanstalten Berlins, in denen jüdische Kinder ihren Profanunterricht empfangen, werden Anweisung erhalten, sich von jedem die Schule besuchenden Kinde mosaischer Religion innerhalb des schulpflichtigen Alters einen bescheinigte,: Nachweis darüber erbringen zu lassen, daß und von wem dieselben Religionsunterricht in ihrem Glauben erhalten. Die Namen derjenigen Kinder, welche ohne solchen Unterricht aufwachsen, werden alsdann voir dem königlichen Provinzial-Schulkollegium dein königlichen Polizei-Präsidenten mitgeteilt werden, dainit dieser in die Lage koinmt, auf Grund des 8 62 des Gesetzes

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