Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1897)
- Date
- 1897-05-01
- Page
- Seite 106 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 106 — dem gegenüber er abweichende Ansichten hegte und in mehreren kleineren Schriften öffentlich aussprach, wandte er sich der Lexikographie zu und arbeitete 1859—65 sein großes dreibändiges „Wörterbuch der deutschen Sprache" aus, ein Werk erstaunlichen Fleißes mit Belegen von Luther bis zur Gegenwart. Er hat es durch dieses, wie durch sein „kurzgefaßtes Wörterbuch der Hauptschwierigkeiten in der deutschen Sprache", das bereits über 20 Auflagen erlebt hat, verstanden, sich zum volkstümlichsten Sachverständigen in deutschsprachlicher Beziehung emporzuschwingen. und überall in den Kreisen der Gesellschaft, der Gelehrten u. s. w. ruft man jetzt bei grammatischen Meinungsverschiedenheiten „Prof. Sanders" an. Außer dem vorgenannten Buch schlossen sich an das Hauptwerk des Gelehrten auf lexikographischem und grammatikalischem Gebiet noch an: Katechismus der deutschen Orthographie, Handwörterbuch der deutschen Sprache, Fremdwörterbuch, Wörterbuch der deutschen Synonymen, Deutscher Sprachschatz, Vorschläge zur Feststellung einer einheitlichen Rechtschreibung für Alldeutschland, Orthographisches Wörterbuch, Deutsche Sprachbriefe, Lehrbuch der deutschen Sprache für Schulen, Geschichte der deutschen Sprache und Litteratur, Verdeutschungswörterbuch, Deutsches Stilmnsterbuch u. s. f. Sander war auch Mitglied der Berliner orthographischen Konferenz im Jahre 1876, auf der er die äußerste Rechte bildete. Außerdem veröffentlichte er „Das Volksleben der Neugriechen", „Das Hohelied Salomonis", „Heitere Kinderwelt", Gedichte, eine neugriechische Grammatik, sowie im Verein mit A. R. Rhangab« eine Geschichte der neugriechischen Litteratur. Von seiner unermüdlichen Arbeitskraft zeugt es. daß sich der hochbetagte Gelehrte noch in den letzten Jahren entschloß, die Ausarbeitung des deutsch-englischen Teils des im Verlag von Prof. Langenscheidt-Berlin erscheinenden Muret-Sanders'schen encyklopädischen Wörterbuchs zu übernehmen. Die erste Lieferung des großen Werkes, das ein Seitenstück zu Sachs-Villatte werden sollte, ist eben erschienen, als der Tod einem Leben voll stiller, gewissenhafter und rastloser Arbeit, aus dem jeder Zeitaufwand für Weltfreude und Genuß, ja für Erholung ausgeschlossen war, ein Ende machte. - Als Sanders sein deutsches Wörterbuch nach den mühseligsten Arbeiten abgeschlossen hatte, da fragte ihn einmal eine Dame: „Jetzt werden Sie wohl eine Reise machen, Herr Doktor?" „Nein, dazu habe ich keine Zeit." „Aber Sie müssen sich doch eine Erholung gönnen!" „Ich werde mich einmal ausschlafen!" Sanders hatte den Schlaf jahrelang auf ein erstaunlich geringes Maß eingeschränkt. Nun findet er die Ruhe, die er sich zeitlebens nicht gegönnt hat. Die deutsche Nation aber wird ihm eine dankbare Erinnerung bewahren. Herr Landrabbiner Dr. Hamburger widmete dem Heimgegangenen bei dessen Beerdigung einen wohlverdienten warmen Nachruf.