Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1897)
- Date
- 1897-03-01
- Page
- Seite 71 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969837-2969841--5037-2974322- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
OUUJl - n - Theater, Musik und bildende Kunsi. Zum 31. Januar 1897, als den hundertsten Geburtstag Franz Schuberts, schrieb Herr Oberkantor Singer in Wien: In den mächtigen Hymnus, der jetzt allenthalben als dankbare Erinnerung an den unsterblichen Liederfürsten angestimmt wird, müssen auch die Vertreter des modernen Synagogen-Gesanges voll und herzlich mit einstimmen. Nicht etwa, um an dieser Stelle speziell auf die allgemein musikalische Hochschätznng Franz Schuberts hinzudeuten, sondern in dankbarer Anerkennung der rühmenswerten Thatsache, daß er, der große Meister, es nicht verschmähte, auch den Synagogengesang mit den Produkten seines Geistes zu beschenken und daher zu verschönern. Der aufstrebende Synagogengesang, der in den Zwanziger-Jahren unseres Jahrhunderts von Wien aus seinen Ausgangspunkt nahm, drängte dazu, später auch zur Nachahmung in anderen Gemeinden eine Sammlung stylgerechter und mustergiltiger Chorgesänge zu veröffentlichen, und Meister Sulzer unternahm es, diese Gesänge zu sammeln und dieselben unter der weltbekannten Benennung „Schir Zion" zu veröffentlichen. Die berühmtesten der damaligen Wiener Musiker, wie Ritter v. Seyfried, Jos. Fischhof, W. Würfel, Josef Drexler, Fr. Volkert, bemühten sich, treffliche Kompositionen für den »Schir Zion" zu liefern und auch Franz Schubert lieh dem Werke seine Feder, indem er den in Schir Zion I. unter Nr. 6 sich befindlichen „adonoj moloch" in C-dur für vierstimmigen gemischten Chor mit Baritonsolo schrieb. Ohne uns in weitere Reflexionen über den Wechsel der Gesinnung zwischen damals und heute einzulassen, anerkennen wir diese rühmenswerte Thatsache dankbar und herzlich und legen hiemit eine bescheidene Blüte auf das Grab des Heimgegangenen Liedermeisters Franz Schubert. — Die Bauunternehmer, welchen von der Prager Stadtgemeinde die Demolierung eines Teiles der Josefstadt vergeben worden war, haben dem Prager Stadtrate angezeigt, daß sie bisher eine große Menge wertvoller altertümlicher und kunsthistorischer Funde aus der Meisel-, Würfel- und Joachimgasse dem städtischen Museum übergeben haben. — In Gdessa starb Herr Oberkantor Was Abraß. Er war der Nachfolger des Reb Bezalel Chasau, bei welchem er als „Sopran- Singerl" gesungen hat. Sein Vortrag war hinreißend, voll Feuer und Begeisterung und auch Künstler und Fürsten kamen, um ihn zu hören in den Tempel und zollten ihm Bewunderung. Er schrieb einige musikalische Werke, darunter das bekannte „Simroth Joh". Süiit Abraß ist einer der gefeiertesten, größten Vertreter des kantoralen Gesanges in Rußland dahingegangen. — Die Blätter Lembergs erzählen, daß dort auf der Bühne des jüdischen Theaters eine Oper in fünf Akten unter dem Titel „Jehuda Halevi" oder „Die Sehnsucht nach Zion" aufgeführt wurde, die großen Beifall fand. Das Libretto der Oper ist von einem Herrn Auerbach, die Musik vom Komponisten Wolfsthal. Die Künstler bringen auch mehrere Couplets zum Vortrage, die alle mit dem Refrain enden: „Nach