Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1897)
- Date
- 1897-03-01
- Page
- Seite 70 (sequence 22)
- Language
- German
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?0 — im jetzigen jüdischen kulturellen Leben in Anregung bringt und befürwortet. Um diese hochwichtige Frage nun nach allen Seiten hin zu besprechen, luden die Herausgeber der Londoner „Jewish Quarterly Review" maßgebende jüdische wie nichtjüdische Theologen und Laien in London ein, ihre Meinungen und Ansichten darüber in kurzen Artikeln kund zu geben. — Die Gleichberechtigung der Konfessionen ist kaum in einem andern Lande so gründlich durchgeführt und wird so rückhaltlos ausgeführt wie in Italien. So wurde von den 100 000 Lire, die König Humbert anläßlich der Vermählung seines Sohnes, des Kronprinzen, für die Armen gespendet, ein entsprechender Betrag der dortigen jüdischen Gemeinde zur Verteilung an jüdische Arme überwiesen Se. Majestät der König von Italien hat dem Oberrabbiner Dr. Margulies den Mauritius-Orden verliehen. — In Kopenhagen hielt Herr Oberrabbiner D. Simonsen einen Vortrag über „I. N. Mannheimer und die Gemeinde in Wien." — Herr Samuel Graf, (Sohn des Kolonisten Hirsch Graf), der in London als Maschinist und Kunstschmied ausgebildet worden ist, hat auf Sichron Jacob (Palästina) eine Schmiedewerkstätte errichtet, in der 35 Gesellen und Lehrlinge arbeiten. — Graf Murawjew, der neue russische Minister des Auswärtigen, soll von Juden abstammen. Die Mutter des Grafen Murawjew, die seit Jahreil in Wiesbaden lebt, ist die Tochter des früheren russischen Staatssekretärs von Polen, eines getauften Juden. — Herr Lazar Drodsky hat der technischen Hochschule in Kiew 50 000 Rubel geschenkt — In Jassy wurde Herr Dr. I. Uirmirower zlnn Rabbiner gewählt. — Die Karäer in Südrußland beabsichtigen, dem Zaren Alexander III. in Tschufut-Kaleh ein Denkmal zu errichten. Es sind bereits reiche Spenden für diesen Zweck eingelaufen. — Ter Herausgeber der jüdischen Zeitung „Tiempo", Herr Fresro, hat vom Sultan den Medschidje-Orden IV. Classe erhalten. — Das fünfzigjährige Jubiläum der Gemeinde „Ahawath Chessed" in Uew-Uork wurde in erhebender Weise gefeiert. Die Gemeinde hatte Hübsch und Kohut als Rabbiner aus Europa berufen. Ihr gegenwärtiger Rabbiner ist Dr. Davidsohn. — Eine Frau Frank iil Chicago fordert öffentlich die Verlegung des Sabbats auf Sonntag. — Herr Dr. Emil G. Hirsch hat mit Rücksicht auf die Sabbath-Agitation auf dem Frauenkonzil seine Anschauungen über den Sabbath klar ausgesprochen. Der Sabbath ist „trotz aller Phantasien hysterischer Weiber" tot, die Sonntagsfeier allein kann die Sabbath-Jdee noch retten. — Lebhafte Erregung herrscht in der Gemeinde Tripolis über die Entscheidung des Gouverneurs, welcher die Juden des Rechtes beraubt, Richter zu den Eingeborenen-Gerichten zu stellen. — Am 18. Februar starb auf seinem Landsitze zu Eronberg Herr Phillip S. Sonn aus Frankfurt a. M. Sein klarer Verstand, sein kluger Rath und sein wohlwollender Sinn, hatten oen edlen Mann zu einer der beliebtesten Persönlichkeiten der Stadt gemacht. Neben einer Reihe von städtischen Aemtern, die er ehrenvoll bekleidete, gehörte der Verstorbene durch fast zwei Jahrzehnte dem Schulrathe der Realschule der israelitischen Gemeinde an und entwickelte auch in dieser seiner Thütigkeit eine segensreiche Wirksamkeit.