Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1897)
- Date
- 1897-03-01
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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56 zwischen den gleich Pfeilern stehen gebliebenen Plateaux von Judäa und Moab in die Tiefe sank. Diese Senkung vollzog sich wahrscheinlich während der jüngeren Tertiärzeit, jedenfalls lange vor dem Auftreten des Menschengeschlechtes in Vorderasien. Katastrophen von so erschütternder Gewalt, wie sie den Einbruch des Toten Meeres oder des unteren Jordan begleitet haben dürften, sind in historischer Zeit nicht mehr eingetreten. Die einzigen Veränderungen, die sich seit der Besiedlung der Jordanniederung an dem Ufer des Toten Meeres vollzogen haben, werden uns in dem ersten der fünf Bücher Mosis, der Genesis, geschildert. Es sind dies die Umwandlung des ehemaligen Thales Siddim in einen Salzmorast, in eine Dependenz des Toten Meeres, und die Zerstörung der vier Städte Sodom, Gomorrha, Adama und Zebojim durch ein göttliches Strafgericht. Uber die Natur jenes Ereignisses, dessen Eindruck auf die Zeitgenossen, den Darstellungen des Berichterstatters in der Genesis und den Hinweisen in den Psalmen und den Offenbarungen der Propheten nach zu schließen, ein ungewöhnlich tiefer gewesen sein muß, sind die Meinungen seit jeher weit auseinandergegangen. Ja, einzelne Kommentatoren haben das Ereignis in der in dem 19. Kapitel der Genesis geschilderten Form geradezu für eine Unmöglichkeit erklärt, obwohl eben dieses Kapitel durch seine vielen genauen Lokalbeschreibungen den Anschein hat, in strengem Sinne historisch zu sein und eine sehr alte Überlieferung wiederzugeben. Die Forschungen der letzten Jahrzehnte haben eine Reihe neuer Beobachtungen im Gebiete des Toten Meeres gezeitigt, die es gestatten, der Lösung der Frage nach der Art jenes Naturereignisses gegenwärtig mit einiger Aussicht auf Erfolg näher zu treten. Es sei in dieser Richtung insbesondere auf die Arbeiten von L. Lartet, des geologischen Begleiters der Expedition des Herzogs von Luynes, von Hüll und Blanckenhorn verwiesen. Der Schauplatz der Katastrophe, das Thal Siddim mit den vier fluchbeladenen Städten, dessen Überflutung durch das Salzmeer im 3. Verse des 14. Kapitels der Genesis mitgeteilt wird, läßt sich mit ziemlicher Sicherheit feststellen. Man darf dasselbe mit einem hohen Grade von Wahrscheinlichkeit in den südlichen Teil des Toten Meeres verlegen, der eine seichte, auf weite Strecken nur wenige Meter tiefe Lagune bildet, die nach Süden hin in einen wahren Salzmorast, die Sabcha, übergeht. In dieser Lagune liegen große Massen von Asphalt unter dem Seespiegel begraben. Nach heftigen Erderschütterungen lösen sich Asphaltklumpen vom Untergründe los und werden auf der Oberfläche der Lagune schwimmend angetroffen. Auf den Asphaltreichtum des Thales Siddim weist die nachfolgende Stelle im 10. Verse des 14. Kapitels der Genesis hin : „Und das Thal Siddim war reich an Brunnen Asphalts." Da in den am Ufer des Toten Meeres anstehenden, fast ausschließlich der Kreideformation angehörigen