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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-02-01 · Heft 2 (1.2.1897) · p. Seite 41

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 2 (1.2.1897)
Date
1897-02-01
Page
Seite 41 (sequence 17)
Language
German
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41 Wonatsschau. An der Spitze des neuen Justizpalastes in München sind über dem Portale die zwei Bundestafelu mit den Zehn Geboten angebracht, welche die Grundlage aller Justiz und aller Kultur bilde». — Aus einem Schreiben des evangelischen Pfarrers und Schulinspektors Pennekamp aus Calcar an den Vorstand der israelitischen Gemeinde in Derlin, in welchem er um eine Beisteuer zum Neubau des isr. Schulhauses bittet, verdient folgende Stelle hervorgehoben zu werden: Wenn es auch hier in keiner Weise auffallend erscheint, daß ein evangelischer Pfarrer für seine israelitischen Mitbürger eintritt, so liegen anderswo die Verhältnisse anders. Darum möchte ich mein Eintreten motivieren. Abgesehen von meiner dienstlichen Stellung zur israelitischen Gemeinde, bin ich hier seit zwölf Jahren in dieser stockultramontanen Gegend der Repräsentant und der Mund der bedrückten Minoritäten. Das sind die evangelischen Gemeiitden, deren Pfarrer ich bin, und die israelitische Gemeinde, die sonst Niemand hat, der sich ihrer annähme. Die große Freiheit, welche meine Stellung mir gewährt, habe ich stets im Dienste meiner Mitmenschen ohne Rücksicht auf ihr Glaubensbekenntnis benutzt. Den Antisemitismus sehe ich mit allen meinen Glaubensbrüdern am Niederrhein als etwas Verächtliches und Schmachvolles an. Meine Glaubensüberzeugung drängt mich, alle Menschen zu lieben und allen zu helfen, vor allem den Schwachen — Dem Religionsbekenntnis nach wurden am 2. Dezember 1895 in Preußen gezählt: 20,351,448 Evangelische, 10,999,505 Katholiken, 119,245 andere Christen, 379,716 Juden, 5209 Personen verschiedenen oder unbekannten Bekenntnisses — In Frankfurt a. M. wurde am Jahrestage der Errichtung der Rothschild-Bibliothek in Erinnerung au die Gründerin, Hannah Louise von Rothschild eine Marmorbüste der Verblichenen im Hauptlesezimmer aufgestellt. Die Büste ist ein Geschenk der Lady Rothschild von London und der Baroninnen Salomon de Rothschild und James de Rothschild in Paris. — Am 23. Dezember fand die Einweihungsfeier des Hospitals der jüdischen Gemeinde in Kerlin statt, das von Herrn Moritz Mannheimer und seiner Gattin gestiftet wurde. Herr Rabbiner Dr. Maybaum hielt die Weiherede. — Herr Professor Dr. jur. Heinrich Kolin, Mitglied des Großherzoglichen Oberrates der Israeliten, ist zum Prorektor der Universität in Freiburg für das Studienjahr 1897—98 gewählt worden. — Der König von Württemberg hat den Ministerialrat von Finkh von der Stellung eines Regierungskommissärs und Vorstandes bei der Israelitischen Oberkirchenbehörde enthoben und diese Stelle dem Ministerialrat Kern beim Ministerium des Kirchen- und Schulwesens übertragen. Die württembergischen Israeliten sehen Herrn Direktor von Finkh sehr ungern aus diesem Amte scheiden, da er darin stets Wohlwollen und Liebe für die jüdischen Interessen an den

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