Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1897)
- Date
- 1897-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969837-2969840--4990-2974274- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
KoMär-iMseiisrlmstlicliq o *t rr t zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Begründet und herausgegeben von Rabbiner l)r. Adolf Brüll. Zn beziehen durch alle Buchhandlullgetr und Postanstalteir des In- und Auslandes. 17. Jahrgang. Frankfurt a. M>, den 1. Februar 1897. Kummer 2. Eine Stimme aus dem Leserkreise. Die hohen Feiertage sind vorbei. Wie immer waren die Synagogen bis ailf den letzten Platz gefüllt und wer an diesen Tagen durch ihre Räume ging, wer da beobachtete, mit welcher Wärme unb Innigkeit das Herz des Volkes zu seinem Gotte sich wandte, der mußte sich sagen, daß noch heute Israel dem Ewigen nahe steht, wie in den Tagen der Vorzeit. Aber die Zeit vergeht und die Glut verraucht. An dem Sabbattage sprechen die Prediger vor leeren Bänken. Kaum ein Bruchteil von denjenigen, die die Intelligenz und das Kapital in Israel repräsentiren, werden an diesem Tage in unseren Gotteshäusern gesehen. Vom Versöhnungs- bis zum Neujahrsfeste meiden sie dieselbe, um dann zu geloben, was sie nie zu halten gedenken und nie halten können. „Halte Deinen Fuß zurück vom Geschäft", ruft der Prophet in jenem wundervollen Abschnitt, der uns am Versöhnungstage vorgelesen wird, in jener Ermahnung, die wie keine andere das Wesen und das Ideal unseres Glaubens wiedergiebt. Es ist, gls ob Jesaias sich ungeduldig von all den tausend Formen, mit denen der Glaube Israels schon damals beschwert war, losmachen will. Unser Flehen, unser Fasten berührt nicht den Gott Israels, aber neben der begeisterten Aufforderung znr reinen, rückhaltslosen Menschenliebe, zur Tugend, zum Frieden geht das Gebot der Heiligung des siebenten Tages als gleichberechtigt einher.