Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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uns angenehm berührt hat. Der Lehrstoff soll in einer Weise behandelt werden, daß dadurch die Ehrfurcht vor Vater und Mutter nicht verkümmert werde, was geschieht, wenn der Lehrer durch seinen Unterricht die Eltern, die nicht nach den vorgetragenen Lehren desselben leben, indirekt zu Sündern und Religionsverächtern stempelt. S. 53 schreibt Maybaum mit Bezug auf Chasdai Crescas, daß wir den Glauben an die Auferstehung der Toten aus der Reihe unserer Glaubenssätze schon streichen dürfen. Auch der messianische Gedanke muß in unseren Religionsschulen wieder in seiner Reinheit und Ursprünglichkeit gelehrt werden (S 57). Die Wunder mögen auf den höheren und höchsten Stufen als das, was sie in Wahrheit sind, als Mythen und Sagen der altisraelitischen Volkspoesie bezeichnet werden. Der Verfasser berührt auch den wunden Punkt, daß namentlich in den Großgemeinden zum Religionsunterricht häufig genug Kräfte herangezogen werden, die sich hiezu wenig oder gar nicht eignen (S. 101). Man sollte stets im Auge haben, daß besonders der Lehrer der Religion von der Wahrheit seiner Lehre durchdrungen sein müsse und daß der Religionsunterricht ein Gesinnungsunterricht sei. Die Schuld trifft hiefür auch die Vorsteher der Gemeinde, die Ausgaben sparen da, wo die größte Freigebigkeit am Platze wäre. Nicht übereinstimmen können wir mit dem, was der Verfasser (S 12) wünscht: Wer einer Glaubensgemeinde angehören will . . m u ß ihr auch seinen köstlichen Besitz, seine Kinder zuführen. Das klingt wie Zwang und der soll ferne bleiben. Ein gediegener Religionsunterricht, wie ihn Maybaum in seinem trefflichen Buche schildert wird begeisternd wirken und uns zeigen daß die Eltern auf solche ihnen von der Gemeinde gebotenen Wohlthaten nicht so leicht verzichten werden. Von Herrn Rabbiner Dr. Emil Hofmann in Keichenberg ist unter bem Titel „Eine brennende Frage des gegenwärtigen Israels" eine beachtenswerte Schrift erschienen, die zur Gründung von Vereinen für jüdische Geschichte und Litteratur in Österreich auffordert. Inhalt: Graf von Schack über das Wesen der Religion. — Bekenntnis eines Amerikanischen Rabbiners. — Spinoza von Dr. Georg Brandes. — Die Rational-Socialen und die Glaubensfreiheit. — Das Kaddisch-Gebet. Bon Leopold Kompert. — Der jüdische Friedhof zu Versailles. — Eine kleine Ghettogeschichte. Von L. Stein. — Monatsschau. — Theater, Musik und bildende Kunst. — Referate und Mitteilungen. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner vr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck und Inserat-Annahme: H. L- Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.