Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 ein Arzt komme, in Frankreich auf je 1800 und in England auf je 1600. Diese Armut an Ärzten in Rußland erklärt der Minister unter anderem dadurch „daß die Universität, welche ihre Thore sperrweit allen Denjenigen öffne, die nach höherer Ausbildung verlangen, sich gezwungen sehe, Vielen, welchen sich medizinischen Studien zu widmen wünschen, Aufnahme zu verweigern zufolge von Ursachen, welche von der Hochschule ganz unabhängig sind. — Aus Moskau berichtet man: Die für den Kongreß 1897 angemeldeten jüdischen Ärzte werden ihre Pässe unter den gleichen Formalitäten wie die anderen Konfessionen visiert erhalten. — In Kohufch starb der bekannte Wunderrabbi Herr Jsaäc Friedmann. — Die jüdische litterarische Welt Warschaus betrauert den Tod des Gründers und ersten Herausgebers des „Polnischen Israelit", Dr. Sampel Keltin- Das Blatt ist die einzige Zeitung in polnischer Sprache für jüdische Interessen und hat als solche sehr große Verbreitung gefunden. Dr. Peltin war ein ausgezeichneter Talmudist und vortrefflicher Linguist und hat von der Berliner Universität den Doktortitel donoris causa erhalten. Sein bedeutendstes Werk ist die „Allgemeine Geschichte der Juden", ein Werk von großem Umfange, das in polnischer Sprache erschienen ist. Seine Frau war seine treue Mitarbeiterin und hat viele Artikel für seine Zeitung geschrieben. Sie wird das Blatt mit ihrem Sohne Herr Dr. Adolf Peltin weiter herausgeben. — In Fez ist das Judenviertel niedergebrannt. Verschiedene Bewohner fielen den Flammen zum Opfer, viele wurden schwer verletzt. Fünfhundert Menschen notdürftig gekleidet, haben sich auf's freie Feld geflüchtet. — Im Janjira-Staate ist der Ministerpräsident — ein Beni Israel. Unter seiner weisen Führung hat das Land schon manchen Fortschritt auf dem Pfade westlicher Civilisation und Bildung gemacht. Die Frau des Ministers, Shaloam Bapuji, nimmt besonders thätigen Anteil an der Erziehung der weiblichen Jugend. — Von der Mauora-Sternwarte in Lussinpiccolo, deren Direktor Herr Leo Krenner durch seine glücklichen Marsbeobachtungen die Aufmerksamkeit aller Fachgenossen auf sich gelenkt hat, kommt nun abermals die Nachricht von einer interessanten Entdeckung. Nach längerer Beobachtung des Mercur und nach Vergleichung von zwanzig zu verschiedenen Zeiten aufgenommenen Zeichnungen machte Brenner die überraschende Entdeckung, daß Mercur nicht, wie Schiaparelli behauptet, der Sonne stets dieselbe Seite zeigt, sondern schnell rvtirt, wenn auch langsamer als Venus und Erde. — Einer der ersten Ansiedler in Kentnky, Moses Adams, ist daselbst im Alter von 102 Jahren gestorben. — In Johannesburg soll eine Reformsynagoge nach dem Muster der Londoner Berkeley-Street-Synagoge errrichtet werden. — Im freisinnigen Verein für jüdisches Gemeindeleben in Frankfurt a. M. hielt am 2. December Herr Rechtsanwalt Dr. Klau einen sehr lehrreichen Vortrag über: „Das Judentum und die ethische Cultur."