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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-01-01 · Heft 1 (1.1.1897) · p. Seite 2

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 1 (1.1.1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Überzeugung abgeschworen. Wir mögen uns zur Beruhigung unserer Herzen sagen, daß diese Unthaten hinter uns in der Vergangenheit liegen; aber es wäre nicht gut zu fest hierauf vertrauen zu wollen. Noch immer — dafür sprechen viele Anzeichen — glimmt die alte Glut unter der Asche, und es bedarf nur eines Windstoßes, uni sie in Helle Flammen aufschlagen zu lassen. Noch inimer trägt die Verschiedenheit der Konfessionen und der Glaubensansichten Zwist in die Familien, verengt und verdumpft die Religion die Seelen, die sie ausweiten und erhellen sollte. Hiergegen aber giebt es kein besseres Heilmittel als die Kenntnis und nähere. Betrachtung aller anderen Glaubenslehren, besonders jener des Orients, der die Wiege der hauptsächlichsten Religionen der Welt war- Wohl liegen die Triebe des Bösen in der Tiefe des Menschenherzens, denen es zum Teil zuzuschreiben ist, daß das himmlische Licht, wo es sich auf Erden zeigen wollte, sich verfinsterte, daß sogar die Offenbarung des Göttlichen, welche Christus brachte, getrübt wurde und die Lehre der Liebe, des Friedens und der Milde sich in ihr Gegenteil verwandelte. Jedoch einen großen Teil der Schuld hieran tragen Unkenntnis und Unwissenheit und sicher würde nicht so viele Feindschaft zwischen den Anhängern der verschiedenen Religionen und Sekten obwalten, wenn die einen nur einigermaßen davon unterrichtet wären, worin das Bekenntnis der anderen besteht. In diesem Falle müßten sie einsehen, daß in deren heiligen Büchern doch auch Grundsätze des Guten, der Nächstenliebe und des Rechtthuns vorhanden seien, welche mit denen in ihren eigenen übereinstimiirtcn und diese Einsicht würde auch milden Empfindungen Eingang in ihre Herzen verschaffen. Sie würden erkennen, nur die Dogmen seien verschieden, daß aber der Eine diesem der Andere jenem Dogma anhänge, sei nicht etwa Verstocktheit oder selbstgewollte Verblendung, sondern rühre daher, daß ein Jeder die Lehren für wahr halte, die er mit der Muttermilch eingesogen und von denen ihm schon in der Kindheit eingeprägt worden, das Seelenheil hänge von ihnen ab. Wer dies nun einmal erkannt, kann unmöglich noch den Andersgläubigen hassen, und es muß sich überdies, wofern er nicht ganz verblendet ist, der Gedanke in ihm regen, es sei beklagenswert, daß eine solche Verschiedenheit oft unfaßlicher Dogmen die Menschen von einander trennen, während die weisen, in ihren heiligen Büchern enthaltenen Grundsätze sie in Eintracht mit einander verbinden könnten- Es würde ihnen ferner, wenn sie nicht absichtlich eine Binde um ihre Augen legen, einleuchten, wie widersinnig und verderblich die Lehre sei: man müsse die Vernunft unter die Herrschaft des Glaubens gefangen >geben. Denn wenn einmal ein Glaube, welcher möglicherweise keine Prüfung aüshült, blindlings angenommen werden soll, so haben die Bekenner eines jeden Dogmas das Recht, das nämliche für den ihren zu verlangen, und so ist, da dann gewöhnlich noch die Einbildung hinzutritt) von der Annahme solcher Wahnvorstellungen sei die ewige Seligkeit abhängig, von vorn herein die Verfolgungssucht undder Krieg Aller gegen Alle organisirt.

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