Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1896)
- Date
- 1896-11-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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fojmtitr - MMiiücI>!lf1Iicl>§ onat zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Begründet und herausgegeben von Rabbiner Dr. Adolf Brüll. Abonnementspreis Mk. 6.— per Jahr. Zu beziehen durch alle Bllchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslandes. 16. Jahrgang. Franks,,rt a. M., den 1. November 1896. Kummer 11. Kein Audenstaat sondern Gewissensfreiheit. Unter diesem Titel ist in Wien von Herrn Dr. Ludwig Ernst eine dreiundzwanzig Seiten umfassende Schrift als Entgegnung auf Dr. Theodor Herzel's vielbesprochene Broschüre erschienen unter dem Motto: Der Hieb ist die beste Parade. Mit Recht schreibt Herr Dr. Ernst in Bezug auf Herzel's Utopien, man weiß nicht, ob man sich über dieselben ärgern oder ob man zu denselben lachen solle. In jedem Falle thut eine Bekämpfung seiner Ratschläge sehr not, weil dessen Schrift viel Verwirrung in weite Kreise getragen. Man muß zu dem „Judenstaat" Stellung nehmen, denn es ist ein schlechter Rat, der in demselben den Juden erteilt wird, und man könnte dem Einzelnen und der Gesammtheit nicht mehr schaden, als wenn man ihnen zumutet die Flinte in's Korn zu werfen, und Feigheit und Flucht als Rettungsmittel in schweren Tagen zu empfehlen. Zwei Tausend Jahre leben Juden in Europa, dessen Boden mit ihrem Blute getränkt ist, sie haben mit Geduld und Ausdauer alle Leiden, alle Verfolgungen ertragen und haben an Kunst und Wissenschaft und an Allem, was die Staaten an materiellen und geistigen Gütern besitzen mitgearbeitet und mitgeschaffen, und nun sollen sie alle diese Güter, an denen sie ehrlich ihr Teil haben, im Stiche lassen. Der Mut, den die Juden im Laufe der Zeiten entfaltet haben, und auf den sie mit Stolz Hinweisen können, den sollen sie bei Seite werfen, weil