Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1896)
- Date
- 1896-10-01
- Page
- Seite 225 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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225 Doch predigt es heute wiederum die Lehren des Reform-Judentums- Es ist ungerecht, von unserem Glauben zu sagen, wie es die Führer der ethischen Kultur machen, daß das Judentum tot und seine Gebräuche veraltet seien; daß das Judentum bloß eine Stammesreligion — zu ausschließlich sei, — ein Nationalstolz, als Mischung beigegeben dem reinen Golde der sittlichen Wahrnehmung, — eine Religion, die keine Anziehung auf Nichtjuden ausübte. Diese Anklagen sind Stichen gleich, die das Reform-Judentum übel aufnimmt. In Anbetracht der vielen Aussprüche, namentlich jener so kraftvoll befürwortenden Religion der jüdischen Propheten, verlangt das Judentum, daß Herr Prof. Felix Adler sich konsequent zeige und deutlich eingestehe, daß das Judentum das wahre ethische Kulturwesen ist. Aas Programm Jung Israels. Von Rabbiner vr. Simon Stern. I. Das Judentnm ist unabhängig von jeder Nationalität und hat die Tendenz, alle Menschen zu umfassen und zu beglücken; darum ist es die Aufgabe der jüdischen Glaubensgenossenschaft, das Judentum von den seine Ausbreitung hemmenden Schranken, die nicht das Wesen der Religion betreffen, zu befreien und das Judentum auf diese Weise, ohne es zu fälschen, zur Weltreligion umzngestalten. Wir haben das unbestreitbare historische Recht, eine solche Weltreligion Judentum zu nennen. II. Die Bibel ist die Grundlage, also der Ausgangspunkt unserer Religion, Talmud und rabbinisches Schrifttum sind Entwickelungsphasen derselben. Wir haben von der Grundlage ausgehend und an das Bisherige anknüpfend die Entwicklung weiter zu führen, bis das Ziel erreicht ist. III. Wiewohl der Einzelne es mit der Religion und mit den religiösen Vorschriften halten mag, wie es ihm sein Gewissen gestattet, kann der Einzelne doch nicht nach Belieben und Willkür das Judentum umgestalten, die Umgestaltung des Judentums kann nur von einer freigewählten Autorität ausgehen. IV. Aufgabe des Einzelnen ist es, durch religiöse, sittliche Gesinnung den jüdischen Namen in Handel und Wandel zu Ehren zu bringen und darin seine Lebensaufgabe zu finden. V. Wir schätzen die Wissenschaft als eine Offenbarung des göttlichen Geistes im Menschen, denn auch die Natur ist die Wirkung Gottes, und die Wissenschaft lehrt uns Gottes Wirken begreifen und zeigt uns die Wege Gottes, sie ist von der Religion geboten.