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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-10-01 · Heft 10 (1.10.1896) · p. Seite 219

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 10 (1.10.1896)
Date
1896-10-01
Page
Seite 219 (sequence 3)
Language
German
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219 Wisset, das rühret daher: Mose ist nimmer gestorben; Er lebt für die Freiheit fort, wie sie, die nimmer mehr stirbt. Er hat sie mutig errungen und seinem Volk sie erworben, Sie bleibet der Preis stets für Den, der redlich und treu um sie wirbt. Ein kühner Schiffer im Leben, dem Meere gefährlichster Klippen War er, den Menschen ein Licht, des Geistes geistigster Held. Drum küßte gütig der Herr den Tod ihm mild von den Lippen — Er selbst hat sich ein Denkmal gesetzt in allen Herzen der Welt! R. G. Aas Judentum und das ethische Kukturwesen. Ans einem Vorträge, gehalten von Rev. Dr. Henry Berkowitz vor der Gemeinde „Rodeph Scholom" in Philadelphia. Ich weiß, es giebt Viele in unserer Mitte, welche diesen Gesinnungen über das Gebet Beifall zollen. Solche, welche, so viel sie auch Andere stören mögen, und so viel sie auch gegen die gute Sitte verstoße», es sich zur Gewohnheit machen, in's Gotteshaus zu kommen, nur um die Predigt zu hören; und solche, die, obwohl sie den Gottesdienst anssitzen, mit dem Ausdruck der sanftesten Ergebung auf ihren Zügen, deren Herz uitb Geist aber abwesend ist: diese applaudieren natürlicherweise solchen Gesinnungen über das Gebet. Aber jemand, der die Sache reiflicki erwogen hat, und noch besser, der sie heransgefühlt, dessen Gefühlsstrom in Fluß geriet durch irgend welchen Freuderausch, oder auch durch Gram und Kummer, der kann diesen leichtfertigen Behauptungen über das Gebet nicht beistimmen. Er weiß, daß sie falsch und ebenso zerstörend als falsch sind. Die rein religiöse Natur fühlt sich entehrt; die Hundert- und Aber-Hundert- Tausende derer, die in aller Aufrichtigkeit mit Herz und Seele, die Macht und Erkenntnis Gott anrufen, denen gilt der Ausdruck Blasphemie, in Bezug auf das Gebet, als unverschämt. „Das Gebet ist der Seele innigstes Verlangen, gesprochen oder empfunden; Das Glimmern eines verborg'nen Feuers, in drr Brust entzünden. Das Gebet ist des Seufzers Bürde, ein Thränenregen, Das Aufwürtsblicken der Augen, wenn Keiner, als Gott zugegen; Das Gebet ist der Rede einfachste Form, kann vom Kindermunde steigen, Das Gebet ist die hehrste Musik, kann Gott im Himmel erreichen."- Der Mann der ethischen Kultur behauptet, daß Gott durch das Gebet nicht beeinflußt werdeil kann. Ich verstehe nicht, wie er so verwegen sein kann!

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