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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-08-01 · Heft 8 (1.8.1896) · p. Seite 177

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 8 (1.8.1896)
Date
1896-08-01
Page
Seite 177 (sequence 9)
Language
German
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177 nach ihr waren vergebens. Sie verschwand auch allmählich aus meinem Gedächtnisse, bis sie mir der Zufall nach einigen Jahren wieder vor Augen führte. Es war im Bereiche eines der äußersten Vororte. Um Volkstypen zu studieren, besuchte ich eines Tages eines der großen Gasthäuser daselbst, wo nur die untersten Klassen ihr Rendezvous haben. Da trat eine Hausirerin mit ihrem Tabulett an den Tisch, wo ich saß. Ich erkannte Rebekka. Ihre Züge waren noch immer schön, aber es war die Schönheit einer älteren Frau, die wie die Abendsonne nicht mehr erwärmt. Und doch war sie noch nicht dreißig Jahre alt! Auch sie erkannte mich, der einst ihre Jugend verewigt hatte. Lächelnd unter einer zerdrückten Thräne sagte sie: „Nicht wahr, jetzt könnte ich Ihnen nicht mehr Modell sitzen? Mit uns ist es so weit gekommen, daß ich Mann und Kinder ernähren muß." Ich war vor Rührung fast keines Wortes mächtig. Dann stotterte ich einige nichtssagende Phrasen von Trost und Hoffnung auf bessere Zeiten und öffnete meine Brieftasche, im Begriffe, eine alte Dankesschuld abzutragen. Als sie dies bemerkte, wandte sie sich mit einer schroffen Wendung von mir ab, dem nächsten Tische zu und bald darauf verschwand sie im Menschengewühle meinen Augen. Sie hatte wahrscheinlich schnell dieses Lokal verlassen, um mir nicht wieder zu begegnen. Ich habe sie seitdem auch nicht mehr gesehen und wollte sie auch nicht mehr sehen, um nicht neuerdings ihr Zartgefühl zu verletzen. Wenn ihre Kinder sie nicht versorgten, wie es ja bei den Juden fast immer der Fall ist, geht sie gewiß noch heute mit ihrem Tabulett von Gasthaus zu Gasthaus hausieren. Der Maler konnte bei Erzählung der Geschichte dieses Modells eine tiefe Bewegung nicht verbergen. „So ehrbar bleibt selten ein Modell," schloß er seine Erzählung, „die Meisten enden im Spital, im Gefängnis oder im Winkel einer verrufenen Gasse, auf dem Pflaster eingetreten, nur die Frauen Ihres Stammes sind so stark, selbst die Pforten des Lasters zu überschreiten und rein zu bleiben." Aus dem westfälischen Oemeindeverbande. Der diesjährige Gemeindetag des westfälischen Verbandes, der am 14. Juni in Hagen abgehalten wurde, hat einen in jeder Beziehung glänzenden Verlauf genommen. Vertreten waren durch Delegierte mit 40 Stimmen die Gemeinden Bielefeld» Bochum,Dortmund, Dülmen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herford, Hörde, Höxter, Iserlohn, Minden, Münster, Neuenkirchen, Schmallenberg, Schwerte, Siegen, Söst, Unna, Wattenscheid und Witten. An den Verhandlungen nahmen laut Ausweis der offiziellen Präsenzliste 81 Personen teil, an bem Festessen etwa 130, darunter viele Damen. Eröffnet wurde die Versammlung um 9x/a Uhr vormittags durch

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