Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1896)
- Date
- 1896-07-01
- Page
- Seite 167 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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167 und kein Verdienst an all' den bedeutsamen Lehren, die unser Ruhm und unser Stolz sind vor den Nationen der Erde. Also das ist das Ergebnis der vorstehenden Ausführungen: Mose war nur der große Volksführer, der Israel aus Egypten befreit und dessen Leben die dichtende Volksseele poetisch verklärte, die Gesetze aber sind erst im Laufe späterer Jahrhunderte aus dem Volke selbst herausgewachsen! Das Volk selbst hat sie geschaffen, das Volk selbst hat sie gestaltet und nachher auf Grund eines vielhundertjährigen Gewohnheitsrechtes im Buche der Bücher festgelegt. Nicht Mose, sondern die jüdische Volksseele war es, welche zuerst jenes große Wort sprach: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, liebe den Fremdling wie dich selbst! Nicht ein Einzelner, sondern das ganze Volk hat alle jene großen Gedanken gedacht und in Worte gekleidet, die wir im Buche der Bücher auf jedem Blatte und auf jeder Seite finden. Was wir dort lesen, das ist das sichtbar gewordene israelitische Volksbewußtsein, das ist der Niederschlag dessen, was im Volke Jahrhunderte lang geübt wurde und woran jeder Einzelne mitgearbeitet hat nach Maßgabe seiner Kraft und seiner Fähigkeit. Auf welch' hoher sittlicher Stufe muß doch das Volk gestanden haben, welches solche Lehren aus sich selbst heraus entwickeln konnte in einer Zeit, in welcher die übrigen Nationen noch in Heidentum und Götzendienst versunken waren und Hartherzigkeit und Lieblosigkeit gegen Frenide übten, wo und wie sie es vermochten. Ja, mit freudigem Herzen und stolzem Selbstgefühl bekennen wir: Die Gesetze der Bibel sind unsere Gesetze; aus dem Geiste unserer Vorfahren sind sie herausgewachsen; sie sind Fleisch von unserem Fleische und Bein von unserem Beine, und all' die bedeutsamen Lehren, welche durch die Tochterreligionen sich die Welt erobert haben, sie sind dem israelitischen Volksgeist entsprossen, die israelitische Volksseele hat sie geboren. Welch' heilige, große Verpflichtung legt diese Erkenntnis uns auf! Sie bringt uns erst zum Bewußtsen, welch' kostbaren Schatz wir unfern Ahnen verdanken, welch' reiches Geistesleben unsere Väter aus sich selbst heraus entwickelt haben, und sie mahnt uns an jenes ernste Dichterwort: Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen! Es ist nicht genug damit, daß wir in stolzem Selbstgefühl all' jener Gesetze uns freuen, wir müssen auch unser Interesse für das Juden! um bekunden durch die That. Was wir zu vereidigen haben ist unser eigenstes Gut; kein Fremder hat es uns gegeben; aus uns selbst ist es herausgewachsen; geben wir es preis, so geben wir damit uns selbst preis, so schänden wir damit unsek eigen Fleisch und Blut. Wir sind es uns und unserer Ehre schuldig, daß wir die Lehren, die der israelitische Volksgeist geboren, verteidigen gegen alle Angriffe schmähsüchtiger Gegner. Verleugnen wir unser Judentum, wollen wir unseres Judentums uns schämen, so verleugnen wir damit uns selbst, so schämen wir uns unseres eigenen Jchs. O, möchte