Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1896)
- Date
- 1896-06-01
- Page
- Seite 138 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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138 denen jede sittliche Berechtigung fehlt. — In Berlin starb Heinrich v. Treitschke einer der gefährlichsten Gegner des Judentnms. Wir halten uns an seine Worte, die er einst niedergeschrieben: Erst wenn die Ideen des „Nathan" in unserer Gesetzgebung sich vollständig verkörpert haben, dann erst dürfen wir uns rühmen, in einer gesitteten Zeit zu leben. — Am 24. April hat Freiherr v. Dnrant im Herrenhause beantragt die Petition des Adolph Wolff in Frankfurt a. M. um Übersetzung des „Schulchan Aruch" auf Staatskosten, der Regierung zu überweisen. Das Haus schloß sich mit großer Mehrheit dem Antrag der Kommission, auf Übergang zu Tagesordnung an. — Wie die Blätter aus München melden, ist der Bataillonsadjutant Premierlieutenant Ortenau im 17. Infanterie-Regiment zum Katholizismus übergetreten. Die „Deutsche Armee-Zeitung fügt hinzu: „Wir hatten bisher geglaubt, es sei einem Juden in der bayerischen Armee nnr dann möglich, aktiver Offizier zu werden, wenn er sich vorher das „Eintrittsbillett in die Gesellschaft" durch die Taufe gelöst habe. Zu unserer Überraschung vernehmen wir, daß dieses Billet gar nicht nötig ist, beziehungsweise auch post festum erholt werden kann. — Über Fürst Bismarcks Stellung zum Antisemitismus berichtet der Asrikareisende Eugen Wolf Folgendes: Es ist bemerkenswert, daß sobald das Gespräch die Judenfrage streift, der Fürst es selten unterläßt, auf die Zwecklosigkeit der antisemitischen Bewegung hinzuweiseu. Mit sizilianischer Vesper und Bartholomäusnacht könne man doch heutzutage nicht Vorgehen. Die Austreibung der Juden sei ebenso unmöglich und würde den Nationalwvhlstand gefährden, und wenn man die jüdischen Elemente aus den amtlichen und gelehrten Berufen entferne, so würde die dort frei werdende jüdische Intelligenz das Übergewicht, das die Juden in Bezug auf Erwerbstüchtigkeit und Geschäftssinn den Christen gegenüber besäßen, noch erhöhen. Außerdem besäßen die Juden doch mancherlei Vorzüge, die nicht zu bestreiten seien, so wenig wie ihre Schattenseiten, sie brächten in die Mischung, welche die verschiedenen Stämme Deutschlands darstellten, ein gewisses Mousseux, das diesen zum Vorteil gereiche. Wenn er, Bismark, noch Minister wäre, so würde er in Bezug auf die Judenfrage den Grundsatz empfehlen: La reclierche de la confession est interdite. Das Fragen nach der Confession ist nicht gestattet. — Wir haben von dieser Äußerung Notiz genommeu wegen der folgenden Mitteilung die uns von Herrn Salvmon Levy zuging: In einem Briefe Bismarks an den General von Gerlach in dem Werke: der Briefwechsel Bismarks mit General von Gerlach, Chef des Militärkabinets Friedr. Wilhelms IV. Seite 300 heißt es:-„Zeitungen lese ich hier (Stolpmünde 25. 8. 1856) wenig; gestern sah ich in einer veralteten Nummer der Augsb. Allg. Zeitung, wie der offiziöse Wiener Correspondent im Sinne fortgeschrittener Humanität Österreich damit rühmt, daß die Zahl der jüdischen Offiziere in der kaiserlichen Armee sich fortwährend mehre. Er zählt 500 Avan-