Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1896)
- Date
- 1896-06-01
- Page
- Seite 133 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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133 Mitgliedern betreffend. Referent: Herr Rechtsanwalt Burgheim. 6. Wahl des Ortes für den nächsten Verbandstag. 7. Verbandsangelegenheiten. Ter Antrag Minden, welcher auch weitere Kreise interessieren dürfte, hat folgenden Wortlaut: „Der Gemeindetag wolle beschließen: 1. Der Gemeindeverband wolle die Verbandsgemeinden ersuchen, ihr Statut dahin zu ändern, daß die Beitragspflicht derjenigen Gemeindemitglieder, die aus anderen Gemeinden einziehen, erst mit dem Zeitpunkte beginne, mit dem die Beitragspflicht zur früheren Gemeinde erlischt. 2. Der Gemeinde-Verband wolle den Herrn Ober-Präsidenten der Provinz Westfalen bitten, die Anträge von Verbandsgemeinden auf Änderung ihrer Statuten in oben bezeichneter Richtung zu genehmigen." — Der unter Punkt 3 der Tagesordnung. erwähnte Statutenentwurf lag bereits dem vorjährigen Gemeindetag zur Beschlußfassung vor, wurde aber dainals von der Versammlung dem Ausschuß zur nochnialigen Durchberatung überwiesen. Es dürfte keinem Zweifel unterliegen, daß der nun vorliegende revidierte Entwurf, welcher die seitens der Gemeinden schriftlich eingebrachten Abänderungsvorschläge thunlichst berücksichtigt, von dem diesjährigen Gemeindetag angenommen wird und so die geplante Kasse recht bald ins Leben tritt. — Wie wir hören, wird die Teilnahme an dem diesjährigen Verbandstage eine sehr rege werden, so daß die Verhandlungen recht interessant zu werden versprechen. — Eine besondere Pfingsrfreude haben dem Verbände einige orthodoxe Separatisten bereitet, welche in einer am zweiten Pfingsttage in Dortmund abgehaltenen Versammlung einen „Verein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in der Provinz Westfalen" begründet haben. Hoffentlich wird der Verein seine Thätigkeit nur in der breitesten Öffentlichkeit entfalten, denn nichts trägt so sehr zur Förderung freisinniger Ideen im Judentum bei, als die Beobachtung des frömmelnden Gebahrens jener lichtscheuen Dunkelmänner, die, verständnislos unserer Zeit gegenüberstehend, das Judentum um Jahrhunderte znrückschrauben möchten. Wir wünschen nur, daß jene Herren wahrheitsliebender sind als ihr Organ, der sattsam bekannte „Israelit", welcher mit einer geradezu bewundernswerten Unverfrorenheit seinen Lesern vorlügt, in Bezug auf Religionsunterricht herrsche in keiner andern Provinz des deutschen Reiches so arge Zerfahrenheit und so große Willkür, wie gerade in Westfalen. So ziemlich das Gegenteil ist richtig. Denn gerade Westfalen ist, abgesehen von denjenigen deutschen Landesteilen, in welchen die religiösen Verhältnisse der Juden staatlich geregelt sind, die einzige Provinz, welche einheitliche von der Regierung genehmigte Lehrpläne für den jüdischen Religionsunterricht zur Einführung gebracht hat, und das Verdienst des westfälischen Gemeindeverbandes ist es, diesen Erfolg errungen zu haben. Auch sind die Anstellungsverhültnisse der Lehrer in Westfalen bei weitem besser als in orthodoxen Gegenden. Wer das nicht glauben will, dem raten wir, nur einmal