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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-06-01 · Heft 6 (1.6.1896) · p. Seite 122

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 6 (1.6.1896)
Date
1896-06-01
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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122 Heiligkeit Gottes; ein ideales Band soll den Menschen, den Staubgeborenen mit dem höchsten Wesen in Verbindung bringen, das wir int Lichte der höchsten Heiligkeit uns vorstellen. Die ganze Gesetzgebung, sowohl der Teil, der unsere Sittlichkeit fördern, unseren Geist erleuchten und unser Herz veredeln soll, als auch der Teil, der unser materielles Leben leitet und ordnet, die Ge- und Verbote für Seele und Leib, für Geist und Körper, ist eine Erziehungsarbeit, eine Vorarbeit für die höhere Stufe der Heiligkeit, deren erhabenes, wenn auch unerreichbares Vorbild Gott ist. Allem voran stellt uns das heutige Gotteswort kindliche Ehrfurcht vor Eltern und Heilighaltung des Sabbaths. „Jeder ehrfürchte Mutter und Vater und meine Sabbathtage sollt Ihr beobachten"; reines, pietätvolles Familienleben, Weihe der Arbeit durch sabbathliche -Ruhe werden uns zuallererst ans Herz gelegt, darauf folgen Verbote gegen Götzendienst, Pflege der Nächstenliebe, Redlichkeit in Handel und Wandel, Liebe zur Wahrheit, Gerechtigkeit an den Gerichtsstätten, worauf es dann heißt: „Gehe nicht als Verleumder unter deinem Volke umher, stehe nicht müßig bei dem Blute deines Nächsten, ich der Ewige; hasse nicht deinen Bruder in deinem Herzen, zurechtweisen sollst du deinen Nächsten, dainit du seinetwegen keine Sünde trügst." Was wir (3. B. M. Cap. 19, V. 16.17). in der Gegenwart aus diesen Morallehren lernen sollen und können, möge im Folgenden erörtert werden. Soll die Religion ihren befruchtenden und anregenden Einfluß auf das Leben erhalten und behalten, so muß sie auch dasjenige, was im Leben geschieht, was der Menschen Aufmerksamkeit weckt und rege hält, und seine Thaten und sein Denken beherrscht, in den Kreis des von ihr ausstrahlenden Lichtes ziehen, so muß sie auch sogenannte Tagesfragen von ihrem Gesichtspunkte aus beleuchten und uns anleiten, die Dinge und Geschehnisse vom höheren religiösen Standpunkte richtig zu erfassen und zu begreifen. Solch eine wichtige Tagesfrage, die das social-sittliche Leben der Gegenwart betrifft und in der letzten Zeit vielfach in der Öffentlichkeit erörtert wurde, ist der Zweikampf, jener Kampf, der angeblich wegen beleidigter Ehre zwischen zwei Menschen geführt wird, wobei nicht selten der Schuldige unverletzt ausgeht, während der Unschuldige sein Leben einbüßt und das Glück einer ganzen Familie zerstört wird. Weil nian aber in öffentlicher Versammlung der Volksvertreter auf eine bestimmte Confession, die den Zweikampf sittlich verabscheut, hingewiesen hat, als ob die Mutterreligion aller Confessionen, das Judentum, in seiner Moralgesetzgebung über solche tief in das sittliche Leben und Menschenglück zerstörend eingreifenden Vorgänge nichts enthalte, darum halten wir es für zweckentsprechend und belehrend, auch unsere Religion zum Worte gelangen zu lassen. Es liegt jedoch nahe, daß von einem Zweikampf im wörtlichen Sinne, der doch nur ein Rest unkultivirter Lebensbeziehlingen späterer nachbiblischer, nichtjüdischer Volksstämme ist, in unseren heiligen Schriften nicht die Rede sein kann, aber

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