Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1896)
- Date
- 1896-05-01
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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98 Ihm verborgen ist; wie könnten wir da es wagen, eine Sehnsucht zn heucheln, die unserem Herzen fremd, die Erfüllung eines Wunsches zn erflehen, der von uns nicht geteilt wird? Das hieße die heiligen Tage entweihen und die Ehrfurcht vor dem Allwissenden verleugnen. Auch die allzuoft wiederkehrenden Wiederholungeil sowie die vielen Worthäufungen zur Bezeichnung derselben Begriffe mußten, weil sie die Andacht stören und eine Ermüdung der Betenden Hervorrufen, möglichst vermieden werden. Dagegen war es geboten, die größte Pietät in der Behandlung solcher Gebetstücke walten zu lassen, die teils wegen ihres Inhalts, teils auch wegen der traditionellen Melodien den Besuchern des Gotteshauses wert und teuer geivorden sind. Soweit nicht prinzipielle Bedenken entgegenstanden, sind dieselben in ihrer bisherigen Form oder mit geringfügigen Änderungen und Kürzungen anfgenommen worden. Endlich war auch, namentlich in der Liturgie für de» Versöhnungstag, der Umstand zu berücksichtigen, daß durch Betrachtungen, die der Bedeutung desTages angemessen sind, solvie durch deutsche Gesänge und Gebete reiche Abwechslung geboten wird, was der Erhöhung der Andacht nur förderlich sein kann. Aus die Bearbeitung .des deutschen Teiles ist große Sorgfalt verwendet worden, fast alle Gebete, die im hebräischen Texte eine poetische Forin haben, sind auch ins Deutsche metrisch übertragen und bringen die von den Verfassern in dieselben hineingelegten Gedanken in freier Übersetzung zum Ausdruck. Die sogenannte Aboda in Mußaf des Versöhnungstages ist größtenteils in deutscher Sprache abgefaßt, enthält aber hebräisch die vom Vorbeter ilnd der Gemeinde zu recitierenden Sündenbekenntnisse des Hohenpriesters mit den darauf folgenden Stücken. Es wird darin nachdrücklichst die hohe Bedeutung betont, die der Tempeldienst ehemals für Israel hatte, und das freudige Hochgefühl dankbar bekundet, daß die Gemeinde Jakobs schon vor Jahrtausenden, als alle Völker der Erde noch von dem Wahn des Götzendienstes gefangen gehalten waren, zu dem Dienste des Einig Einzigen erkoren war und den allgegenwärtigen, unkörperlichen Gott in so würdiger Weise verehrte; und hieran reiht sich die fromme Bitte, daß auch unsere Gottesverehrung und unsere aufrichtige Buße dem Höchsten wohlgefällig sei, und daß Er auch fürder schützend und schirmend über Israel wachen und es befähigen möge, seinen erhabenen Beruf mit Treue und edlem Eifer zu erfüllen. Daß die wichtigsten hebräischen Responsorien auch in den deutschen Text aufgenommen sind, ist für diejenigen Tempelbesncher, die ihre Andacht vorzugsweise in deutscher Sprache verrichten »vollen, von wesentlicher Bedeutung, da es ihnen hierdurch erleichtert wird, sich in der Liturgie zurechtzufinden und dem Vorbeter zu folgen.