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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-04-01 · Heft 4 (1.4.1896) · p. Seite 92

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 4 (1.4.1896)
Date
1896-04-01
Page
Seite 92 (sequence 20)
Language
German
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92 Geschichte und Altertumskunde" in Frankfurt a. M. ein lebendig anschauliches Bild. Die Kriegswirren und die daraus resultirenden Finanzschwierigkeiten, in welche Österreich um die Mitte des l 7. Jahrhunderts geraten waren, zwangen das Reich sich auch an den Genannten als Geldvermittler zir wenden. Wertheimer, der durch einen alle Inden Wien's treffenden Ausweisungsbefehl 1670 die Stadt verlassen mußte, kam nach einigen Jahren wieder dahin zurück, mit ihin Samuel Oppenheimer. Mit diesem hatte Wertheimer zuerst in Verbindung gearbeitet, aber schon im Jahre 1686 knüpfte er selbständige Verbindungen mit dem Staate an, erwarb sich durch sein Finanzgenie, gepaart mit strenger Rechtlichkeit, die Gunst der Herrscher, die er auch bis zu seinem 1724 erfolgten Tode behielt. 1703 starb Oppenheimer und sein Ableben bedeutete den Niedergang des Bankhauses O., der nur durch die thätige Hilfe Wertheimer's hinausgeschoben wurde. Durch dieihm verliehene Berechtigung sich im ganzen Reiche niederzulassen geschützt, erwarb Letzterer verschiedenen Orts Grund und Boden. So in Frankfurt allein sieben Häuser: „Silberne Kanne", „Goldenes Schiff", „Gold'ne Gerste", „Gelber Ring", „Rost" und das Haus „znm Affen", in der Judengasse belegen. Den Ankauf eines Teiles der Liegenschaft der Pfarrerwittwe Dietz wollte der Rat der Stadt nicht anerkennen, obwohl kaiserliche Mahnungen dazu drängten. Der große Judengassenbrand 1721 legte auch die meisten Wertheimer'schen Häuser in Asche. Dies gab den Anlaß zu einem langjährigen Prozesse mit der Stadt, die in 1748 einen Grundzins von 23 400 Gulden von seinen Erben verlangte. Inzwischen war Samson Wertheimer gestorben und sein Bankhaus mußte 1733 die Zahlungen einstellen. Obgleich sein Sohn Wolf W. die Anerkennung des Guthabens an das Reich erlangte, erlitt das Haus dennoch einen Verlust von drei Millionen Gulden und damit war auch das Schicksal des Bankhauses Wertheimer besiegelt. Der später als Erbe auftretende Bär Lob Isaak erhielt aus dem mit dem Senate Frankfurts wegen der aufgelaufenen Grundzinsen erwachsenen 39jährigen Rechtsstreite, nach erfolgter Sequestration der Häuser, nur den Betrag von 324 Gulden ausgezahlt. — In Göttingen ist nach der kürzlich erfolgten Vergrößerung der Synagoge auf Betreiben des Predigers Herrn Dr. Jacob die Orgel-Begleitung auf die Gebete, wie Kadisch, Keduscha re. ausgedehnt worden. In Folge dessen haben 12 Gemeinde-Mitglieder einen Privat-Gottesdienst eingerichtet, welcher aber auf Veranlassung des Vorstandes durch den Magistrat untersagt tvurde. — Der Mühlhauser jüdische Litteratnrverein gewinnt jeden Tag an Bedeutung und Ansehen. Neulich sprach Herr Rabbiner Bloch aus Remiremont (Frankreich) in französischer Sprache über den Talmud und seine Moral. Der Litteratnrverein hat auch Kurse für die Heranwachsende Jugend eingerichtet. Jeden Mittwoch werden im großen Saale der israelitischen Handwerkerschnle Vorträge gehalten. — Dem Untertertianer Felix Lesser in Posen, Schüler des Realgymnasiums, ist vom

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