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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-03-01 · Heft 3 (1.3.1896) · p. Seite 50

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 3 (1.3.1896)
Date
1896-03-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 schätzen ihres Vaterlandes, dessen Vollbürger sie einst werden sollten. So errichteten sie aus eigenen Mitteln eine Schule, die als Franzschule von tausenden lernbegierigen Schülern besucht wurde, welche dann nach allen Windrichtungen die hier empfangenen Lehren zu verbreiten suchten. Frankels nie genug zu rühmendes Verdienst ist es gewesen, daß er die Schule gegründet und erhalten, sie mit sicherer und starker Hand durch die Stürme eines halben Jahrhunderts geleitet und sie dann 1849 dem anhaltischen Staate als Musterinstitut zu übergeben, der sie dann weiter als Realschule und Realgymnasium entwickeln ließ.*) Gehört schon ein ganzer Mann dazu, einem Amte als Schuldirektor gewissenhaft vorstehen zn können und die ihm anvertraute Jugend harmonisch auszubilden, so begnügte sich Dr. Frankel nicht allein mit dieser Thätigkeit. Wohl war er davon überzeugt, daß es seiner Schule gelang, die einstigen Bürger nach jeder Hinsicht durch Wissen und Bildung, durch Charakter und ideale Gesinnung zur bürgerlichen Gleichstellung vorbereitet zu haben; doch dieses war ihm nicht genug; auch auf die ältere Generation sollte sich sein Einfluß erstrecken; die der Schule entwachsen waren, sollten noch belehrt werden und sich von den ihnen anhaftenden Untugenden und Fehlern läutern. Zur Zeit, als Fränkel in die Öffentlichkeit trat, ragte er um Haupteslänge über die meisten seiner Zeitgenossen hinaus. Er, der Sproß berühmter Ahnen, war ein weltmännisch gebildeter junger Mann, der in Berlin und Leipzig stets mit Ernst studierte, aber auch sein ganzes Leben hindurch mit Innigkeit seiner streng jüdischen Erziehung treu blieb, und in sehr regem Verkehr mit der Litteratur, mit gebildeten Kreisen nnd den geistigen Strömungen seiner Zeit lebte. In seinem Wesen war nichts von der damaligen jüdischen Zurückgebliebenheit. Nur wer so gerüstet war, konnte sich ein solch hohes Ziel stecken und zur Ausführung bringen, eine Zeitschrift zu begründen, die auf Juden und Nichtjuden in gleichem Maße wirken sollte. Die Journalistik war ja damals für die Juden noch eine sehr junge Kunst, namentlich für diejenigen, welche in deutscher Sprache schreiben wollten. Man vergegenwärtige sich nur den kühnen Entschluß am Anfang dieses Jahrhunderts, wo das Lesen deutscher Bücher noch von dem größten Teil der deutschen Juden mit scheelen Augen angesehen wurde! Doch Fränkel scheute sich nicht, mit den Verhältnissen der Gegenwart zu brechen, denn sein weitschauender Blick erkannte klar die Macht der Presse und so ging er rüstig an's Werk, um sein Vorhaben auszuführen. Schon 1750 hatte Mendelssohn die Absicht, durch eine in hebräischer Sprache erscheinende Zeitschrift auf seine Glaubensgenossen zu wirken, und er ließ zwei Stücke derselben unter dem Titel „Kohelet Musar" erscheinen. Allein die Rabbinen erstickten das Unternehmen im Keime. Noch am Ende seines Lebens *) Geschichte der herzoglichen Franzschule von L. Horwitz, Dessau, Hofbnchhandlung von Oesterwitz.

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