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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-02-01 · Heft 2 (1.2.1896) · p. Seite 48

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 2 (1.2.1896)
Date
1896-02-01
Page
Seite 48 (sequence 24)
Language
German
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48 Man sieht, der Dichter hat eine sehr ernste und hohe Auffassung von der Kunst und von der Macht des Poeten. Humor und Heiterkeit treten bei ihm durchaus zurück. Aber wo finden wir denn so leicht heutzutage, in unserem trüben Zeitalter, einen ernst zu nehmenden Dichter, der seine Leier zur Freude anstimmt und anstimmen darf? Die Poesie trägt längst tiefschwarze Gewandung, seitdem ihr der Materialismus die Rosen heruntergerissen hat, die sonst als einzige Hülle ihren dnftigkeuschen Leib umwanden. Was nun den Wert seiner eigenen Gedichte anlangt, so ist derselbe ein nicht immer gleicher. Während viele Dichtungen das treffende Wort Bodenstedt's: Schön mögen des Gewändes Falten sein, doch schöner muß, was sie enthalten, sein — in vollem Maße bewahrheiten, reicht in anderen die Gedankenfülle des Dichters nicht aus nur die kunstvoll aufgebaute Form entsprechend zu füllen. Die große Reimgewandtheit, über die der Dichter verfügt, verleitet ihn manchmal auch ans Kosten des Inhalts nach Formschönheit zu streben und uns Plattheiten als Philosophie und Poesie.aufzutischen. Auch die Sprache ist nicht immer frei von Trivialitäten. Aber Einzelheiten vermögen nicht unser Urteil über das Gesamte zu trüben, und der Dichter, welcher mit so redlichem Wollen, mit so viel versprechendem Können an seine Aufgabe herantritt, wird die Erwartungen, die wir in ihn setzen, gewiß erfüllen, wenn er auch fürder an seinem Motto festhält: „Du lebst, du singst dein Lebtag, weil du mußt!" Edmund Brüll. Inhalt: Rede, gehalten bei der Einsegnung des ersten jüdisch-christlichen Ehepaares in Ungarn von Dr. Rosenberg, Oberrabbiner in Arad. — Sind wir noch Juden? Bon Dr. B. Felsenthal. — Des Judentums Anteil an der Religion der Zukunft von . ' . — Sei stolz mein Sohn! von Emil Lehmann-Dresden. — Der bestrafte Überläufer. — Bischof und Rabbiner. — Monatsschau. — Theater, Musik und bildende Kunst. — Referate und Mitteilungen. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner Dr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck und Inserat-Annahme: H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.

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