Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1896)
- Date
- 1896-02-01
- Page
- Seite 36 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969823-2969826--4692-2973964- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Serock 1× ep/1861168
OCR text
36 MV U' I f*.. ti r %-v — 36 — Der bestrafte Höertäufer. Unter Friedrich dem Großen lebte in Berlin ein jüdischer Petschaftstecher, Solomon Bücher mit Namen. Derselbe lieferte auch Modelle zu Münzen. Einmal ließ ihn der König zu sich kommen, bezeugte ihm seine Zufriedenheit und erlaubte den: bereits Siebenzigjährigen, sich eine Gnade auszubitten. Bücher ersuchte nun um eine Anstellung bei der königlichen Münze. Aber diesen Wunsch wollte der König nicht erfüllen. „Ja, wenn Er ein Christ wäre", sagte Friedrich II., „dann ließe sich darüber sprechen." - Nach vier Wochen erschien Bücher wieder vor seinem Landesherrn uud meldete, daß er „zur Christenheit" übergegangen sei, weil der König versprochen habe, ihm ein Amt zu geben, wenn er Christ geworden sei. Da sagte Friedrich zornig: „Melde Er sich bei unserm Stallmeister als Vorläufer!" Bestürzt machte Bücher sein hohes Alter geltend. Aber der König erklärte: „Wenn Er in vier Wochen überlaufen konnte zum Christentum, dann wird Er auch Kraft genug haben, vor meinem Wagen herzulaufen. Wir haben nie von solchen Menschen etwas gehalten, die ihren Glauben wechseln wie einen Rock." Wschof und Mabbiner. Auf einer Visitationsreise kam der römisch-katholische Bischof von P l o ck, Nowodworski, nach Serock, wo ihn bei der Einfahrt in die Stadt der Rabbiner, begleitet von den Mitgliedern des Vorstaildes der israelitischen Cultusgemeinde, sowie von zahlreichen jüdischen Einwohnern, mit einer längeren An-, spräche begrüßte, in welcher er die Ankunft des Bischofs als eine Gewähr für den Frieden und die Eintracht zwischen Juden und Christen bezeichnete. Bischof Nowodworski, welcher, als er der Juden-Deputation ansichtig wurde, aus dem Wagen stieg und die Begrüßungsrede des Rabbiners niit Aufmerksamkeit anhörte, erwiderte hierauf folgendes: „Ich danke den Herren herzlich für den freundlichen Empfang, und zwar danke ich hierfür zunächst aus dem Grunde, weil diese Begrüßung eine Artigkeit ist, die ich zu schätzen weiß, dann deswegen, weil Ihr Vorgehen .vernünftig ist. Sie bekunden dadurch angesichts der weitverbreiteten Strömung des antisemitischen Rassenhasses, daß Sie sich dessen bewußt sind, wie sehr die katholische Kirche die Juden immer gegen die von Zeit zu Zeit wider sie sich kehrenden Ausbrüche des Hasses seitens der von der heiligen Lehre der evangelischen Nächstenliebe nicht ge-