Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 24)
- Language
- German
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Zwar Stäubchen sind Planeten, Monde, Sonnen, Doch keins darf fehlen in dem Plan der Welt; Wie weißt du, daß, wenn eins der Bahn entronnen, Nicht auch der ganze Bau in Trümmer fällt? Mit den angeführten Stellen ist in den Hauptzügen eine kurze Skizzierung der Welt- und Lebensanschauung Teicherts gegeben, die sich in seinen Dichtungen voll und ganz wiederspiegelt. Sein ganzes Streben ist ein ernstes. Mit allen wichtigen Fragen philosophischer, ethischer und sozialer Natur beschäftigt er sich eingehend und sucht die Resultate, zn denen er kommt, in seinen Gedichten zum Ausdruck zu bringen, die somit charakterisiert sind als Reflexionsdichtungen voll edlen Gedankenreichlnins und warmer Einpfindlliig. Doch ist dein Dichter der unmittelbare Ausdruck tiefwogenden Gefühles versagt. Wenn er ausruft: O singt nicht nur von holder Lenzespracht, Nicht nur von Nachtigallen und von Rosen, Nicht nur von Zephyrs Wehn und Stnrinestosen, Nicht nur vom Meer und von der Sternennacht, so hat dies seinen guten Grund. Er selbst ist nämlich offenbar wenig befähigt, solche Töne auf seiner Leier anzuschlagen. Es fehlt int wesentlichen die üppige, farbenprächtige Phantasie, die Glut echter Leidenschaft, die rechte Verve der Sprache. Überhaupt soll nicht verschwiegen werden, daß Teicherts eigentliche poetische Begabung bei iveitem geringer geschätzt werden muß, als der Adel seiner Gesinnung und die philosophische Tiefe seines Geistes. Damit soll durchaus nicht gesagt sein, daß ihm poetisches Talent überhaupt abgehe, und habe ich bereits auf den reichen Gedanken inhalt seiner Gedichte und die tiefe Empfindung, die sich in ihnen ausspricht, hin gewiesen. Überdies besitzt er eine namhafte Reimgewandtheit, und ist glücklich in der Wahl der Worte. Füge ich nun noch hinzu, daß die im besten Sinne soziale und durchgehend judenfreundliche Tendenz der Dichtungen ein besonderes Interesse erweckt, so ist genug angeführt, um diese Lektüre Juden und Nichtjuden auf das wärmste zn empfehlen. Edmund Brüll. Inhalt: Sind wir noch Juden? Von Dr. B. Felsenthal. — Des Judentums Anteil an der Religion der Zunkunft von . •. — Treue den großen Toten, von Rabbiner Dr. F. Lazarus, Köln. — An die Antisemiten, von Adolf Teichert. — Der Pariser Religions kongreß — Monatsschau. - Theater, Musik und bildende Kunst. — Referate und Mitteilungen. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner vr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck und Inserat-Annahme: H. L. Brönner'S Dmckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.