Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 — mzt aller Macht den Ehrenplatz zurückzufordern, der der Religion in der Welt der Menschlichen Erscheinung gebührt, Allen das Verständnis beizubringen, daß die Religion eine große soziale Macht ist, die zu vernachlässigen unvorsichtig und der keim» Glauben zu schenken ungerecht wäre; und das würde ein unberechenbares Vorurteil für unsere unruhige und verwirrte Zeitrichtung sein. Das Judentum Herr Abbä, hat keinen Grund, aus dem Spiel zu bleiben bei einer solchen Manifestation. In den ältesten Zeiten seiner Geschichte sind alle seine Propheten gegen den Götzendienst und seine bösen moralischen Folgen ausgetreten; sie haben es ausgesprochen, daß die Gottesidee keiner organisierten Gemeinschaft fremd sei, daß überall auf dem weiten Erdenrund die Menschen Gott suchen und daß ihre Huldigungen, auch wenn sie nicht den richtigen Weg fanden, doch iminer ihren Wert behielten: „An allen Orten bringt man mir Weihrauch und Opfer dar!" Ja, sie sind noch weiter gegangen; mit einer geradezu kühnen und erstaunlichen Auffassung haben sie die frohe Hoffnung verkündet, die leider auch in unserer Zeit noch ein ferner Traum ist, . von der Vereinigung aller Menschen in deinselben Glauben, der aus ihnen eine einzige Familie machen wird, die im tiefsten Frieden, von der höchsten Gerechtigkeit, Wahrheit und Liebe erfüllt, leben wird. Der allgemeine Religionskongreß wird nicht den Anspruch erheben, dieses große Wunder zu vollbringen! Seine Ziele werden weniger anspruchsvoll seiu. Aber als sicher erscheint dieses, daß die Gottesidee in dieser feierlichen Sitzung, wo die verschiedenen Völker sich zusammenfinden werden, um ihren Glauben zu bekennen und sich vor der großen souveränen Macht, die die Welt beherrscht, zu beugen, in einem neuen Lichte erstrahlen wird. Und auch dies ist gewiß: Die Idee der Toleranz, der gegenseitigen Unterstützung, der Achtung, ja sogar der Sympatie für den Glauben Anderer, sie Alle können nur von dem friedlichen Zusammenwirken der Repräsentanten aller Kulte Gewinn ziehen. Das ist der unmittelbare Gewinn aller möglichen Kongresse. Aber der Sieg des Geistes, des Friedens, der Gerechtigkeit, des Wohlwollens wird ein viel größerer sein, tvenn er der Thätigkeit Derjenigen zu verdanken ist, die die oberflächliche Bvlksmeinung sich gerne als grundsätzliche Gegner und unversöhnliche Feinde vorzustellen geneigt ist. Welch' eine Lehre, Herr Abbe für die Heißsporne aller Art, die nicht im Stande sind, eine ihrer Meinung nach irrige Auffassung zu bekämpfen, ohne Diejenigen zu beschimpfen und zu schmähen, die ihr anhängen! Ich für mein Teil bin glücklich, eine große Schuld der Dankbarkeit an das Religionsparlament in Chicago abzutragen, indem ich mir in Erinnerung rufe die hohe Unparteilichkeit, die es au den Tag gelegt, als es eiiistiinmig eine Erklärung angenommen hat, die gegen die Anklage des Ritualmordes protestierte, unter welcher das Judentum in den letzten sechs bis sieben Jahrhunderten so viel gelitten und unter der es auch heute noch viel zu oft in manchen zurückge-