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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-01-01 · Heft 1 (1.1.1896) · p. Seite 13

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 1 (1.1.1896)
Date
1896-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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13 Der pariser WeLigionsKongrch. Ein Brief des Großrabbiners Zadoc Kahn an den Abbe Charbonnet. Paris, 7. November 1895. Herr Abbtz! Vom ersten Augenblick an habe ich der von Ihnen ausgegangenen Idee lebhaft zugestimmt, bei Gelegenheit der Weltausstellung von 1900 in Frankreich einen allgemeinen Kongreß der Religionen einzuberufen, der ganz analog wäre dem Religions-Parlament, das sich seinerzeit in Chicago versammelt hat, und ich habe Ihnen auch schon die Versicherung gegeben, daß die Teilnahine des französischen Judentums Ihrer großherzigen Idee nicht fehlen wird. Die Erfahrungen, die in Amerika gemacht wurden, sind entscheidend. Die Mehrzahl der in der Welt verbreiteten Religionen, vertreten diirch ihre hervorragendsten Führer, haben sich dort zum Zweck gemeinsamer Beratung zusammengefunden. Sie hatten dort die volle Möglichkeit, die Lehren, die sie verkünden und die Moral, die sie lehren, darzustellen. Diese Annäherung hat ihnen Gelegenheit geboten, sich näher kennen zu lernen und sich gegenseitig zu respektieren; sie haben dort lebhaft demonstriert, daß sie, ohne von ihrem credo abzugehen, sich die Hand bieten können, um an der gleichen Mission der Kultur, der Barmherzigkeit, der ethischen Hebung und des sozialen Fortschritts zu arbeiten; und wenn sie sich auch in wichtigen Fragen, wo ihr Glaube in Betracht kam, trennten, so haben sie doch ebenso viele Berührungspunkte gesunden, in vielen Wahrheiten sich getroffen, die ihnen gemeinsam sind, weil sie die Grundlage der Humanität selbst bilden. Das war ein Schauspiel, einzig bis jetzt in der Geschichte, von einer wirklich imposanten Größe, das im Ganzen der Sache der religiösen Idee, in welcher Form sie sich auch manifestiert, große Dienste geleistet hat. Warum könnte das, was mit solchem Aufsehen in der neuen Welt sich abspielte, nicht auch im alten Europa unter viel günstigeren Bedingungen, dä viel mehr religiöse Gemeinschaften daran teilnehmen würden, sich wiederholen? Wir alle Geistliche, welcher Art es auch sei, haben die Pflicht, den unserer Obhut übergebenen moralischen Besitzstand zu wahren; haben wir nicht ebenso wie unsere amerikanischen Kollegen, ja vielleicht noch viel mehr als jene, die heilige Pflicht, die Ideen, die Grundsätze und Hoffnungen, die uns beseelen, klarzustellen, um uns gegenseitig zu stützen in dem täglichen Kampf gegen die immer mehr an Boden gewinnende Irreligiosität, gegen die traurigen Lehren, welche den Zweck verfolgen, die Humanität zu entthronen und sie ohne Schutz allen Gelüsten preiszugeben, besonders aber gegen den Jndifferentismus, der sich nicht einmal frägt, ob es keine höhere Interessen gebe als die des materiellen Lebens? Der künftige Kongreß wird seine Aufgabe, und ich hoffe mit Ihnen, auch sein Resultat haben,

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