Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Welt voll „Sitnah und Esek"' voll Haß und Feindschaft mit Worten der Ber- ~ söhnung und herzinniger Menschenliebe. Denn sie hielt aufrecht die Hoffnung, ja die Gewißheit, daß es nicht ewig Nacht bleiben wird, daß einmal der Tag änbrechen muß, wo das Licht das Dunkel, die Liebe den Haß überwindet. Und wer waren ihre Vorkämpfer und Vorbilder, wer hielt empor die Glaubensfahne; daß alle sie sehen und ihr Nachfolgen durch Feuersgluten und Wasserfluten. Seht, ‘ da steht die ehrwürdige Gestalt init den Silberlocken, da steht sie am Eingang unserer Geschichte, die erhabene Gestalt Abrahams. Gott ruft: gehe hinaus aus deiner Vaterstadt, verlasse deine Heimat, wo du geboren und erzogen bist, an die sich tausend unvergeßlich süße Erinnerungen für dich knüpfen und ziehe in ein fremdes unbekanntes Land, wo Gefahren aller Art auf dich warten. Und Abraham zerschneidet alle die Bande, die ihn an die altgewohnten teuer gewordenen Stätten fesselten, und er scheidet für immer von den Gefilden, wo die Gräber seiner Lieben sind. Gott ruft abermals und er sendet in die Wüste, in die öde Ferne den Sohn, den Jsmael. Gott ruft zum drittenmal und mit zitternder Hand ist er bereit, ihm das schwerste Opfer zu bringen, das man von einem Vater verlangen kann, sein einziges geliebtes Kind. Die Ahnen sollen die leuchtenden Leitsterne darstellen, denen ihre Enkel auf den Lebenswegen nachfolgen. Versetzt - euch einmal vierhundert Jahre zurück in ein sonniges, schönes Land, wo der Himmel stets blau und unumwölkt ist, nach Spanien. Pauke« und Trompeten schmettern, aber es ist kein fröhliches Fest, zu dem sie ertönen?) Aus der Residenz Granada zieht ein endlos langer Zug gramgebeügter Gestalten ..." und mit ihnen zieht Abrahams Bild in ihre Seele. Wie Abraham scheiden sie von der Heimat, von den Gräbern ihrer Lieben, und Leichensteine find das einzige, was sie mitnehmen auf die Reise in die kalte lieblose Fremde. Als Joseph vom Laster verführt werden sollte und schließlich zu erliegen drohte in dem schwersten der Kämpfe, dem Kampf mit sich selbst, als die sinnliche Leidenschaft schon triumphierte, da erschien ihm in nächtlicher Stille , das verklärte Bild seines Vaters Jakob. Er fühlte das ernste Vaterauge voll Wehurut auf sich ruhen, las den tiefen Schmerz in den teuren Zügen und neue Liebe zur Tugend stählte sein Herz zum Siege. So möge auch uns stets vorschweben das Bild der Patriarchen und aller derer, die in ihrem Sinne lebten und starben, wir wollen uns von ihrem Geiste durchdringen lassen und opferfreudig werden wie sie Eine schönere Sonne ist aufgegangen in. unseren Tagen, der große Morgen der Freiheit ist näher gerückt. Wir fühlen es, denn einzelne seiner Strahlen fallen schon in. unser Dasein. Von uns fordert Gott nicht mehr das Opfer unseres Lebens, es sind nur so kleine, verschwindend winzige Opfer, die wir ihin bringen sollen. Ein wenig von unserer Zeit, ein wenig von unserem Vermögen. "'s E. Erätz VIII.