Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1895)
- Date
- 1895-11-01
- Page
- Seite 263 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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263 hermiterreißen: dem Manne verdank' ich Alles!" Meyerbeer's allmächtiges Fürwort hat die erste Aufführung des „Rienzi" in Dresden bewirkt und dadurch mittelbar Wagners Ernennung zum Hofcapellmeister; auch in Berlin war die erste Ausführung des „Rienzi" Meyerbeers eigenstes Werk. Das sind historische Thatsachen, ebenso wie die späteren maßlosen Angriffe Wagner's gegen Meyerbeer. Ein anständiger Biograph durfte hier bei aller Vorliebe für Wagner der Wahrheit nicht ins Gesicht schlagen; er durfte nicht die Undankbarkeit des Einen verherrlichen und das werkthätige Wohlwollen des Andern verhöhnen. Nicht Wagners späteren Undank, im Gegenteil seine frühere Ergebenheit gegen seinen Wohlthäter findet Herr Glasenapp einer Entschuldigung bedürftig. „Der junge Künstler hatte ja noch Vieles an sich selbst zu erleben, bis er zu einem vorurteilslosen und unbestochenen Urteil über den wahren Wert des großen Opernmusikkönigs gelangte." Dieser war nur „ein kalter Spekulant, über dessen wahre Gesinnung Wagner schon aus dem Grunde sich immer wieder täuschen mußte, weil er zu ihrer richtigen Beurteilung in seinem Innern auch nicht den mindesten Maßstab fand." Meyerbeer habe Wagner stets nur dahin empfohlen, „wo er eine Erfolglosigkeit seiner Empfehlung mit Bestimmtheit voraussehen konnte!" Genug eine solche Gemütsroheit, wie sie Glasenapp in diesem auf Haß und Lüge aufgebauten Urteil über Meyerbeer bekundet, ist uns selten begegnet. Nicht nur der Historiker, auch der Mensch Glasenapp erregt unfern Widerwillen. Ja, rufen seine Anhänger, mußte denn Wagner die Musik Meyerbeer's loben, weil er ihm persönlich Dank schuldete? Gewiß nicht. Wir lassen hier die Compositionen Meyerbeer's, über die Wagner nach Belieben denken mochte, völlig beiseite. Nichts nötigte ihn, sie zu loben, wie er anfangs (siehe Lippmannsohn's Autographen-Catalog) mit demütiger Schmeichelei gethan; aber noch weniger war er später gezwungen, Meyerbeer öffentlich zu verunglimpfen, wie er es in seinem „Judentum in der Musik" gethan. Natürlich erfreut Herr Glasenapp seinen Leserkreis auch reichlich mit den ausgesuchtesten antisemitischen Delicatessen. Er rügt es, daß Wagner in seinem Aufsatze „I)e lg, musique nllemande“ Meyerbeer als Deutschen behandelt hat. „Der physiologische und ethnologische Gegensatz zwischen deutschem und jüdischem Wesen war dem siebenundzwanzigjährigen Künstler eben noch nicht in voller Klarheit aufgefangen." Heine wird mit Gänsefüßchen ein „deutscher" Dichter genannt, Mendelssohn-Bartholdy eine vollends undeutsche Erscheinung, „der berühmte Schauspieler Dessoir erscheint mit eingeklammertem „Dessauer" und dem angehängten Spottruf: „Ex Oriente lux!“